Aufgrund fehlenden Wissens und Missverständnissen kursieren viele Mythen um Autismus-Spektrum-Störungen (ASS). Als Experten für Entwicklungsstörungen klären wir diese auf und beleuchten die tatsächlichen Fakten basierend auf aktueller Wissenschaft.
Über ASS war lange wenig bekannt: Ursachen, Behandlungen, Umgang mit betroffenen Kindern oder Gründe für ihr besonderes Verhalten blieben ungeklärt. Dadurch entstanden Mythen. Dieser Artikel widerlegt sie fundiert und gibt evidenzbasierte Einblicke.
1. Autismus ist eine psychische Störung
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Sie entsteht durch atypische Entwicklung von Gehirnzellen und -verbindungen. Dies beeinflusst soziale Interaktionen, führt zu repetitiven Verhaltensweisen und ungewöhnlichen Vorlieben – wie Studien der Neuroforschung zeigen.
2. Impfungen im Kindesalter verursachen Autismus
Keine seriösen Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Impfungen oder ihren Bestandteilen und ASS. Impfungen schützen vor schweren Krankheiten. Forschung widerlegt, dass Impfverzicht das Risiko mindert – Meta-Analysen bestätigen dies eindeutig.
3. Schlechte Erziehung löst ASS aus
Früher galt emotionaler Kälte der Eltern als Ursache – ein Mythos ohne Grundlage. Mangelnde Wärme kann die Entwicklung belasten, verursacht aber keine ASS, wie Langzeitstudien belegen.
4. Kinder mit ASS fühlen keine Emotionen
Betroffene Kinder empfinden Emotionen intensiv, haben aber oft Schwierigkeiten, sie auszudrücken. Frühe Therapien wie Verhaltens- und Kommunikationstherapie fördern soziale Kompetenzen und Ausdrucksfähigkeiten nachweislich.

5. Kinder mit ASS sind unsozial
Soziale Herausforderungen bestehen, doch mit gezielter Therapie lernen sie, Beziehungen aufzubauen und Freundschaften zu pflegen. Viele entwickeln starke Bindungen, sobald sie non-verbale Signale besser deuten.
6. Kinder mit ASS können nicht sprechen
Sprachverzögerungen sind häufig, aber nicht universell. Logopädie kombiniert mit Gesten und Bildkarten ermöglicht Kommunikation. Manche sprechen flüssig, wenn auch mit ungewöhnlicher Intonation oder Grammatik.
7. Kinder mit ASS können keine Regelschulen besuchen
Viele besuchen Integrations- oder Regelschulen mit Förderangeboten. Sie brauchen oft spezielle Therapien, kämpfen aber unsichtbar mit Erwartungen und Mobbing – inklusive Unterstützung gelingt Integration.
8. Kinder mit ASS sind geistig behindert
ASS ist ein Spektrum: Hochfunktionale Formen wie Asperger zeigen überdurchschnittliche Intelligenz, exzellentes Gedächtnis und reiche Vokabeln. Am anderen Pol benötigen Betroffene intensive Betreuung, oft mit Ko-Morbiditäten.
9. Kinder mit ASS sind gewalttätig
Aggressionen entstehen aus Frustration, Überforderung oder Missverständnissen – nicht aus Bosheit. Sie verstehen soziale Signale schwer und reagieren gestresst, wie Verhaltensanalysen zeigen.
10. ASS lässt sich heilen
Es gibt keine Heilung, aber frühe Interventionen verbessern Lebensqualität erheblich. Heutige Forschung hat viele Rätsel gelöst – im Vergleich zu vor 50 Jahren ist unser Wissen umfassend.