Alles begann im Sommer 1994. Ich war sieben Jahre alt – und schon damals runder als der Durchschnitt. Unter "gesund" verstand ich eine ungebremste Leidenschaft für Essen. Mein Großvater war mein perfekter Partner in crime: Wir verbrachten Abende damit, Medu Vadas, Zwiebel-Bajjis und allerlei Puffs zu verschlingen und jeden Snack detailliert zu bewerten. Wir kannten die beste Bäckerei für Schokoladenkuchen, den top Thattu Kada für Zwiebel-Bajjis und die besten Spots für Burger, Biryani und Kotthu Roti. Ich war glücklich. Das Leben war unkompliziert. Bis zu jenem Sommerabend 1994. Ich saß mit meiner schlanken, langen Cousine Sowmya am Teakholztisch meiner Großeltern und genoss unseren Abend-Snack – ich etwas enthusiastischer als sie. Da kam mein Vater herein, musterte uns und sagte: „Genug, Gayatri. Gib den Rest Sowmya.“ Mit noch halb im Mund baumelnden Puffs warf ich ihm einen ungläubigen Blick. Wer unterbricht schon ein gutes Essen?
„Komm schon, hör auf zu essen“, beharrte er. Widerwillig reichte ich die Reste weiter und stolzierte beleidigt davon. Zu meinem Großvater, der wie immer in seinem gepolsterten Sessel döste, während der Fernseher dröhnte. Ich stupste ihn an: „Appu, ich hab Hunger. Gehen wir aus?“ Verwirrt kratzte er sich am Kopf und rief meiner Großmutter zu: „Indire, INDIREEY, ee kochunnu endengillum kazhizyan kodukku“ („Gib diesem Kind was zu essen, Indira“, für Nicht-Malayalamsprecher).
Im Laufe der Jahre kommentierten Tanten und Onkel in allen Größen – selbst nicht die Schlanksten – immer wieder, wie rund ich geworden sei. „Rund“, „mollig“, „gundu bedalam“, „fetter fetter Boom Boom“ – die Beleidigungen prasselten nur so herunter.
Trotz der Verletzungen fraß ich weiter, was ich kriegen konnte. 2006, nach einer sanften Rüge meines Bruders, verlor ich 12 Kilo. Doch in meinem Kopf blieb ich das fette Kind. Heute bin ich 30, verheiratet, Hausfrau, Tochter, Schwiegertochter, leidenschaftliche PR-Expertin und treue Freundin. Aber der „perfekte Körper“? Fehlanzeige. Trainer und besuchte Verwandte sehen mich immer noch als „fett“. Danke für das Gefühl, wie ein gestrandeter Wal zu wirken. Fit? Nein. Aber das hübsche Mädchen im blauen Kleid fett nennen? Klar.
(Von Gayatri Bhadran)