Eine 'blutige Affäre' in der Metro von Delhi (Bild: Shutterstock)
Als passionierte Schnäppchenjägerin besuche ich Märkte nur mittags, um Menschenmassen zu meiden. An jenem Tag in Karol Bagh zahlte sich diese Gewohnheit aus – mit vollen Tüten, aber erschöpft von der Hitze. Ich stieg in die blaue Linie Richtung Noida und ergatterte im klimatisierten Damenabteil einen Sitzplatz ganz für mich. Die Aussicht auf eine entspannte Fahrt gab mir neue Energie.
Während ich mich einrichtete, setzte sich eine Frau mit einer großen schwarzen Reisetasche vor mich. Sie telefonierte in einem südindischen Dialekt, den ich nicht verstand. Bald kam ihr Mann aus dem gemischten Abteil und reichte ihr ihr 6-7 Monate altes Baby. Ich musterte sie neugierig: Vielleicht eine Tech-Enthusiastin, Wissenschaftlerin oder Umweltschützerin? Oder eine glückliche Hausfrau, die ihrem Mann von Südindien nach Delhi NCR folgte. Sie wirkten wie Reisende, die mit der Metro sparsam zum Bahnhof fuhren. Schlank, in hellgrüner indo-westlicher Kurti mit Palazzo-Hose, strahlte sie mütterliche Gelassenheit aus – eine naive Erstlingsmutter in der hektischen Metropole, fern ihrer malerischen Heimat. Unser Blick kreuzte sich kurz; sie lächelte, und ich lächelte zufrieden zurück.
Neben ihr saß eine selbstbewusste Berufstätige mit Ohrstöpseln, vertieft in ihre Musik, knabbernd an Obst und Chips. Ihr elegantes Hemd steckte in schwarzer Businesskleidung, perfekt zu ihren High Heels passend. Die beiden konnten nicht kontrastreicher sein: Die Mutter verkörperte Einfachheit und Wärme, die Karrierefrau Apathie aus kalten braunen Augen – meisterhaft angepasst an das schnelle Stadtleben.
Plötzlich gab die Mutter das Baby zurück und sprach ängstlich mit der anderen. Diese kramte in ihrer Tasche. Die Mutter stand auf, tastete ungeschickt nach hinten. Instinktiv fragte ich: 'Brauchen Sie eine Damenbinde?' Sie nickte. Ich reichte meinen Block, die Frau Taschentücher – und wischte gemeinsam den Menstruationsfleck vom Sitz. Panik in den Augen der jungen Mutter beim Anblick des Bluts auf ihrer Kurti. Die Berufstätige beruhigte sie und wies den Weg zur Stationstoilette, half sogar mit der schweren Tasche. Die Mutter presste die Kurti-Ecke ans Fleisch, eilte zum Ausgang, als die Türen aufglitten – pure Angst vor Bloßstellung.
Eine Frau mittleren Alters neben mir kommentierte auf Hindi: 'Gott sei Dank hattest du eine Binde dabei. So unverantwortlich! Sieht nicht gut aus, oder? Sehr blutige Angelegenheit…' Die Türen schlossen sich, Mutter und Helferin verschwanden. Ihr Mann nahm die Tasche; sie hastete verlegen zur Toilette. Ich hoffte, sie erreichte sie schnell.
Die elegante Dame hatte ihren Sitz geopfert. Als sie ihre Ohrstöpsel einsteckte, trafen sich unsere Blicke. In ihren einst kalten Augen loderte nun Wärme und Empathie. Trotz der harten Stadt bleibt Solidarität unter Frauen lebendig – rein und stark.
Eine alltägliche Begegnung, die mein Herz berührte.
(Von Joonak Konwar)