Wie bei so vielen Kindern waren die Sommerferien früher der Höhepunkt des Jahres – besonders für uns. Unsere Eltern arbeiteten beide, was diese Zeit zu unserem ganz persönlichen Paradies machte. Meine Schwester und ich planten unzählige Abenteuer für die Stunden von 9:30 bis 17 Uhr. Bis dahin waren wir die musterhaftesten Kinder: Wir spazierten morgens, halfen Mama beim Bettenmachen, frühstückten pünktlich und erledigten unsere Ferienaufgaben. Alles nur, um die Uhr im Auge zu behalten.
Wie brave Kinder verabschiedeten wir uns um 9:30 Uhr am Tor von unseren Eltern. Sobald das Auto anfuhr, rasten unsere Herzen. Das Rennen begann! Mit Adrenalin im Blut stürmten wir zurück ins Wohnzimmer – über Treppen springend, Türen aufstoßend, uns gegenseitig beiseiteschiebend. Wer die Fernbedienung als Erster ergatterte, beherrschte den Fernseher für die nächsten sieben Stunden. Für zwei kleine Mädchen, die um ihre Lieblingssendungen kämpften, war das der Jackpot.
Ich war nie die Sportliche, und meine vier Jahre ältere Schwester mit ihren langen Beinen zu schlagen, glückte selten. Meistens musste ich mir Sportsendungen und englische Serien anhören, statt Popeye oder Tom und Jerry.
Nach tagelangen Niederlagen platzte mir der Kragen. Ich wollte keine Ferien mehr mit WWE und Cricket vergeuden! Das Rennen war unfair – sie hatte einfach den Vorteil. Also heckte ich einen Plan aus: Am nächsten Morgen versteckte ich die Fernbedienung, während sie mit Hausaufgaben beschäftigt war. Pünktlich um 9:30 Uhr rannte sie los, ich schlenderte singend hinterher.
Im Wohnzimmer starrte sie mich an wie ein WWE-Wrestler. Sie schrie: "Du Versagerin, trainier lieber dein Tempo statt feiger Tricks!" Ich konterte: "Du Betrügerin, das Rennen ist unfair!" Zu Hause galt die Regel: Keine harten Schimpfwörter, maximal "Idiot". Wir hatten unser Limit erreicht und suchten nach Schärferem. Plötzlich rief sie: "Du bist so ein wunderschönes Mädchen!"
Ich war baff. Dieses Wort fühlte sich wie die ultimative Beleidigung an – mächtig und verletzend. Tränen schossen mir in die Augen. Wie konnte sie mich "wunderschön" nennen? Sie lachte sogar! Ich brüllte: "ICH BIN NICHT WUNDERSCHÖN!" Das war der Wendepunkt; jetzt mussten Eltern eingreifen. Ich wartete den ganzen Tag auf ihre Rückkehr.
Abends schilderte ich die ganze Dramatik unter Tränen: Meine Schwester habe mich missbraucht und "wunderschön" gesagt. Eltern brachen in schallendes Gelächter aus. Mama setzte mich auf den Schoß, küsste mich: "Natürlich bist du das schönste Mädchen." Papa holte das Wörterbuch, Seite "schön": "herrlich; sehr attraktiv." Ich lachte mit – sie hatte mich reingelegt!
Natürlich bekam sie ihre Strafe: Nie wieder Unwissenheit ausnutzen. Die Fernbedienung musste stündlich geteilt werden, und die Sieben-Stunden-Zeit schrumpfte auf vier Stunden insgesamt.
Von Shringi Shrivastava