Geschrieben von Venkateswaran KMitte Februar brach das Tageslicht im Pench National Park an, das Wetter war kühl. Pench und Kanha in Madhya Pradesh dienten als Kulisse für Rudyard Kiplings 'Das Dschungelbuch'. Dies war meine zehnte Wildtier-Safari in vier indischen Nationalparks. Der Tiger blieb mir meist verborgen – abgesehen von einem flüchtigen Blick in Kanha vor einem Jahr. Diesmal hoffte ich, die majestätische Raubkatze aus der Nähe zu erleben.
In jedem Park spürt man vor Safari-Start die prickelnde Vorfreude, besonders auf Tiger-Sichtungen. Touristen wählen gedeckte Kleidung, Profis tragen Safari-Hüte und camouflageartige Anzüge mit Pfotenabdruck-Motiven – vielleicht um die Tiger anzulocken. Jeder wird zum Fotografen mit Smartphones, Kameras und Teleobjektiven. Ich genoss das farbenfrohe Treiben, bevor ich mit vier Mitreisenden in unseren Maruti Gypsy stieg.
Bei früheren Safaris endete das Ritual oft in Enttäuschung. Diesmal wollte ich den Wald in vollen Zügen genießen: hügeliges Grasland, dichte Teakwälder, bunte Vögel. Ich setzte mich hinten neben den Guide, um alles im Blick zu haben.
Wir durchfuhren den Wald, Teakbäume warfen Blätter ab vor dem Sommer. Weiße Kulu-Bäume, 'Geisterbäume' genannt, stachen hervor. Der Guide spähte durchs Fernglas in Büsche. Wir sichteten indische Gaur, die gemächlich grasten, und Chital-Hirsche mit Languren als Wächtern. Diese Symbiose – Affen warnen Hirsche von oben, Hirsche die Affen von unten – lehrt Koexistenz, die wir Menschen oft vergessen.
Nach 90 Minuten hielten wir auf einer Lichtung am ausgetrockneten Flussbett mit Wasserlöchern. Ein Schwarzer Ibis lauerte von oben, Reiher und Egret staksten im Wasser. Durchs Fernglas sah ich einen Eisvogel auf einem Stumpf und eine Indian Skimmer auf Fischjagd.
Aus der Stadtgewohnheit lernte ich die Waldstille schätzen, untermalt vom Blätterrauschen und Vogelgesang. Ich schloss die Augen – pure meditative Ruhe. Stille ist Glückseligkeit.
Der Motorstart beendete den Moment. Wir fuhren zu einem Lager für Frühstück. Andere Jeeps trafen ein, diskutierten Tiger-Alarmrufe – nur Pfotenabdrücke gesichtet.
Nach der Pause ging's weiter durch Laubteppich. Richtung Wasserloch rumpelten wir einen Hügel hoch. Jeeps parkten, alle reckten Hälse. Über 30 Minuten Wartens, getäuscht von Schatten und Wind. Viele enttäuscht – der Wald bietet mehr als einen Tiger.
Ein Guide vor uns zeigte plötzlich: Ein Jeep raste los. Und da – ein Tiger! Leben dreht sich unerwartet. 'Langdi', Penchs Star-Tigerin, schritt majestätisch vorbei, markierte einen Baum. Unglaube wich Jubel. Beste Tigerin-Sichtung ever.
Der Wald enthüllt Pracht zur rechten Zeit. Zurückkehrend wusste ich: Geduld und Ausdauer zählen – wie bei Hirsch und Langur. Diese Safari veränderte mich tiefer als jede Sichtung.