Die Hypophyse im Gehirn produziert das Wachstumshormon (Somatotropin), das zahlreiche Körperfunktionen steuert, reguliert und maßgeblich das Wachstum bestimmt. Ein Wachstumshormonmangel (GHD) liegt vor, wenn die Hypophyse zu wenig dieses essenziellen Hormons bildet, das für ein normales Wachstum unerlässlich ist.
Wachstumshormone erreichen während der Kindheit ihren Höhepunkt in der Pubertät und nehmen nach dem 30. Lebensjahr ab. Sie fördern das Wachstum von Knochen und Gewebe. GHD kann in jedem Alter auftreten, ohne die Intelligenz des Kindes zu beeinträchtigen. Häufige Ursachen sind Schäden an Hypophyse oder Hypothalamus – entweder angeboren oder erworben.
Die Hypophyse, eine erbsengroße endokrine Drüse an der Gehirnbasis, setzt acht Hormone frei, die Stoffwechsel, Blutdruck, Wachstum und weitere Prozesse regulieren. Manchmal ist GHD Teil eines genetischen Syndroms; oft bleibt die Ursache unbekannt.
Was ist Wachstumshormonmangel bei Kindern?
Bei unzureichender Freisetzung von Wachstumshormon durch die Hypophyse stagniert das Wachstum, was zu auffälliger Kleinwüchsigkeit führt. GHD kann partiell (reduzierte Produktion) oder total (keine Produktion) sein. Etwa 1 von 4.000 bis 10.000 Kindern ist betroffen. Bei früher Diagnose und Therapie erreichen viele eine normale Körpergröße. Normale Wachstumsraten orientieren sich wie folgt:
- 0–12 Monate: ca. 25 cm jährlich
- 1–2 Jahre: ca. 12,5 cm jährlich
- 2–3 Jahre: ca. 9 cm pro Jahr
- 3–15 Jahre: ca. 5–6 cm jährlich
Liegt Ihr Kind unter dem 3. Perzentil seiner Altersgruppe, sollte GHD abgeklärt werden.
Ursachen eines Wachstumshormonmangels
GHD entsteht durch Schäden an Hypophyse oder Hypothalamus – angeboren oder erworben. Die Ursachen gliedern sich in:
1. Angeborene Ursachen
Diese beruhen auf Genmutationen, die die Hypophysenentwicklung stören. Bekannte Beispiele:
- Turner-Syndrom: Häufig bei Mädchen ohne ein X-Chromosom; gekennzeichnet durch Kleinwüchsigkeit und intrauterine Wachstumsverzögerung durch fehlende Hormonnutzung.
- Prader-Willi-Syndrom: Fehlende Genkopie auf Chromosom 15; führt zu Saugschwäche, Muskelschwund, Entwicklungsverzögerungen und Adipositas.
- Klein für das Gestationsalter (SGA): Kleine Geburtsgröße mit anhaltender Wachstumsstörung durch abnorme Hormonsekretion.
- Primäre Wachstumshormonresistenz (Laron-Syndrom): Der Körper kann das Hormon nicht nutzen.
2. Erworbene Ursachen
- Hirntumore in Hypophyse oder Hypothalamus
- Kop trauma
- Strahlentherapie bei Krebs (bei Bestrahlung der Drüsenregion)
- Erkrankungen wie Histiozytose
- Lymphozytäre Hypophysitis (Autoimmunerkrankung)
Kleinwüchsigkeit hat vielfältige Ursachen wie Mangelernährung, Hypothyreose oder Magen-Darm-Erkrankungen.
Symptome eines Wachstumshormonmangels
Typisch: Schwankende Hormonspiegel, verzögertes Knochenalter, späte Pubertät, prominente Stirn, Hypoglykämie. Häufige Anzeichen:
- Langsames Wachstum ab dem 3. Lebensjahr
- Jugendliches Gesicht
- Stockiger, pummeliger Körperbau
- Prominente Stirn
- Fehlentwicklung des Nasenrückens
- Verzögerte Pubertät
Bei Verdacht immer einen Arzt konsultieren, da Symptome unspezifisch sind.
Mögliche Komplikationen
Risikogruppen: Kinder mit genetischen Störungen, Hirntrauma, Tumoren oder Strahlentherapie. Folgen:
- Reduzierte Knochendichte
- Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko
- Niedriger Energiehaushalt
Behandlung von Wachstumshormonmangel bei Kindern

Wachstumsverlangsamung signalisiert GHD. Normale Raten:
- 1–6 Monate: 16–17 cm
- 7–12 Monate: 8 cm
- 1–2 Jahre: ≥10 cm
- 2–3 Jahre: ≥8 cm
- 3–4 Jahre: 7 cm
- 4–10 Jahre: 5–6 cm
Bei 10%iger Abweichung: Arztbesuch. Anamnese, Tests:
- Bluttests: IGF-1 und IGFBP-3 als Indikatoren.
- IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor I)
- IGFBP-3 (Bindungsprotein)
- Röntgen (Knochenalter): Hand/Wrist.
- Stimulationstest: Fasten, Medikamente provozieren Ausbruch; Blutkontrolle.
- MRT Gehirn: Hypophysenbild.
Therapieoptionen
Seit den 1980er Jahren synthetisches Hormon subkutan (Oberschenkel, Arm, Gesäß) – täglich optimal. Endokrinologe überwacht Wachstum, Blutwerte, Dosierung.
Seltene Nebenwirkungen:
- Injektionsstellenreizung
- Kopfschmerzen
- Hüftschmerzen
- Skoliose
- Langfristig: Diabetesrisiko (familiär bedingt)
Dauer bis Wachstumsende (späte Pubertät).
Zusätzliche Unterstützung
- Ausdauersport fördert Hormonproduktion.
- Diabetes-ähnliche Zuckerschwankungen: Kohlenhydratkontrolle.
- Ausreichend Schlaf.
- Ärztliche Anweisungen einhalten.
- Ärzte koordinieren.
- Regelmäßige Checks.
- Psychosoziale Hilfe bei Bedarf.
Erfolge der Behandlung
Sichtbar nach 3–6 Monaten: 3–5 cm Zuwachs. Weitere Effekte: Größere Füße (6–8 Wochen), gesteigerter Appetit, schlankerer Bau.
Langfristig bis Potenzial erreicht; regelmäßige Kontrollen. Frühe Therapie maximiert Erfolg – bei Verdacht abklären.
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