Tränen rannen mir über die Wangen, als ich das weiße Blatt Papier in den Händen hielt. Meine Welt brach zusammen, ich zitterte vor Entsetzen. Doch all die Wut, Frustration und Qual der letzten Monate lösten sich in Minuten auf. Eine tiefe Dunkelheit umhüllte mich, und plötzlich zogen die Ereignisse der vergangenen Zeit Revue vor meinen Augen vorbei.Ich bin seit acht Jahren mit Rahul verheiratet. Unsere Tochter Pari kam im zweiten Jahr unserer Ehe zur Welt und veränderte alles. Als sie acht Monate alt war, musste ich wieder arbeiten, um in der Metropole ein angemessenes Leben zu führen. Pari blieb bei ihrer Großmutter, der besten Nani der Welt. Rahul arbeitete als Mittelbetriebsleiter in einem multinationalen Unternehmen in Delhi – ein Job mit langen Stunden, knappen Fristen und hohen Zielen.
Unsere Arbeitszeiten lagen weit auseinander. Ich startete früh und war früh zurück, doch trotz Erschöpfung genoss ich jede Abendstunde mit Pari. Die Schuldgefühle als Mutter nagten an mir, und ich war meiner Mutter unendlich dankbar. Pari blühte bei ihr auf und fühlte sich geborgen.
Mitten in diesem Alltag drifteten Rahul und ich auseinander. Unser Leben reduzierte sich auf das Nötigste; die emotionale Verbindung erlosch. Es wurde zur Zweckgemeinschaft, geprägt von Apathie. Wochenenden endeten in Streitigkeiten über Kleinigkeiten – wir sprachen kaum noch miteinander. Zwei Fremde unter einem Dach, die einander nur Schwächen vorhielten.
Eines Nachts klagte er über leichte Bauchschmerzen, die ich als Säureüberschuss abtat und ignorierte. Tage später fühlte er sich ständig unwohl und übel. Nach dem Abendessen erbrach er blutiges Essen – der Wendepunkt. Am nächsten Tag suchten wir einen Arzt in einer Privatklinik in Gurgaon auf. Die folgenden zwei Wochen waren geprägt von Tests und Untersuchungen.
Bei Rahul, meinem Mann und Partner, wurde Magenkrebs diagnostiziert. Wir umarmten uns weinend im Klinikfoyer; diese Nachricht zeichnete unsere Zukunft neu. Heute schäme ich mich, dass es acht Jahre dauerte, bis ich meine wahre Liebe zu ihm erkannte. Unsere Finanzen litten, doch unsere Liebe wuchs ins Unermessliche. Alles blieb gleich, und doch veränderte sich alles. Leider kam diese Einsicht mit der Krebsdiagnose – zu einem Zeitpunkt, da er sich jeden Moment entfernen könnte. Wir sagen, Zeit vergeht, doch ich spüre es schmerzhaft. Nun halte ich jede Erinnerung fest.
Er absolviert gerade den ersten Chemotherapiezyklus und reagiert gut darauf. In meinem Herzen glimmt Hoffnung: Rahul wird uns nicht allein lassen.
Ich appelliere an jedes Paar: Schätzt jeden gemeinsamen Moment, zählt eure Segnungen. Zeit und Gezeiten warten auf niemanden. Das Leben gibt manchmal keine zweite Chance zur Reue.
(Von Mayuri Mehrotra)