Meine Liebe zu Märchen… Als Kind der 90er wuchs ich mit einer Fülle an Märchen aus fernen Ländern auf. Zu Hause fesselten uns Großeltern mit epischen Geschichten von göttlichen Helden in goldenen Streitwagen und auf mythischen Pferden. Es gab keine Kinderfernsehsender wie Cartoon Network, Pogo oder Nickelodeon. Stattdessen vertieften wir uns in Enid Blytons Bücher, Nancy Drew, Famous Five, Tinkle-Comics und Karadi Tales-Kassetten zum Mitsingen. Besonders liebten wir die robust gebundenen Ausgaben mit atemberaubenden Illustrationen unserer Disney-Favoriten: Prinzessinnen, Schurken und charmante Prinzen.
Als mein Großvater einen Videorecorder kaufte, gerieten wir Geschwister aus dem Häuschen. Unsere Ausflüge zum Kassettenverleih waren ein Rausch der Vorfreude. Während die anderen Action-Blockbuster wählten, lieh ich mir immer wieder Walt Disneys "Die Schöne und das Biest" aus.
Ich schaute es 25 bis 30 Mal – und nahm unbewusst die Botschaft auf: Heirate den bösen Jungen, je wilder, desto besser! Kein Wunder, dass meine Teenagerjahre turbulent waren und meine Eltern oft die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Doch diesen zauberhaften Cartoons mache ich keine Vorwürfe für meine jugendlichen Eskapaden. Die lagen ganz bei mir.
Jedes Märchen birgt eine tiefe Moral, wenn man geduldig seine Schichten enthüllt. Aschenputtels Mitternachtsglöckchen mahnt Kinder, pünktlich heimzukehren – sonst wird aus der Kutsche ein Kürbis. Schneewittchens roter Apfel warnt davor, Fremden zu vertrauen oder deren Gaben anzunehmen. Aladdin lehrt: Sei ehrlich über deine Herkunft, wahre Liebe akzeptiert dich so, wie du bist.
Märchen sind ewig jung. Man ist nie zu alt, um sie neu zu entdecken. Viele unserer "Erwachsenenprobleme" finden in ihnen Lösungen – man muss nur glauben.
- Von Gayatri Bhadran