Das Wochenende startete vielversprechend: Nach einem guten Training und einem sättigenden Mittagessen kuschelte ich mich ins Bett. Ich telefonierte mit jemandem, der mir gefällt, kicherte über Alltäglichkeiten und spürte pure Freude. Nach dem Auflegen summte mein Handy – ich hoffte auf liebevolle Nachrichten. Stattdessen schickte ein Freund Warnung und Bilder: Anonym über Facebook erhalten, eindeutig Rachepornos von meinem Ex-Partner. Mein Puls raste. Ich wusste von Fake-Profilen auf Dating-Apps; mein Ex hatte es zugegeben. Doch öffentlich machen? In Indien, wo Opfer von Sexualdelikten oft selbst schuld gemacht werden, erwarte ich als heimlicher Schwuler kein Mitgefühl. Section 377 aus Kolonialzeiten droht mir ebenso Haft wie ihm. Meine Stimme erstarb.
Meine Geschichte spiegelt unzählige stille Schicksale: Schikane wegen Sexualität, Raubüberfälle, heimliche Leben in heteronormativen Ehen. Sogar Stars mit Einfluss schweigen. Wir schieben es auf die Gesellschaft, übersehen aber Vorurteile in unserer eigenen Community – Partner, die Offenheit ablehnen. Der Kernziel, authentisch und glücklich zu leben, verliert sich im Versteckspiel.
Warum? Viele Inder kennen queere Realitäten nicht, es bleibt Tabu. Auf der Straße ignoriert, in Medien tabuisiert – außer wenigen Ausnahmen. Online-Videos reichen in einem Land wie unserem kaum.
Kürzlich sah ich eine tamilische Talkshow-Episode: Eine Schauspielerin forderte LGBTQ-Rechte, Betroffene teilten Schicksale. Doch nie ausgestrahlt. Ähnlich Zensur bei Filmen mit schwuler Liebe. Stattdessen Karikaturen: Queere als Witzfiguren. Veränderung braucht Bewusstsein jenseits von Geschlecht und Orientierung – Debatten, dann Akzeptanz.
Trotz allem hoffe ich: Ein Social-Media-Clip zeigte Eltern, die ihre Kinder bedingungslos akzeptieren würden. Solche Signale machen optimistisch. Eines Tages sage ich vielleicht frei: "Ich bin schwul." Bis dahin genieße ich die Regenbogenflagge am US-Konsulat.
Von Anonym