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Mein erster Besuch im Frauengefängnis: Eine bewegende Entdeckung

Mein erster Besuch im Frauengefängnis: Eine bewegende EntdeckungAls ich mit 21 Jahren zum ersten Mal ein Gefängnis betrat (Anna Martin/Getty Images), war es auf Einladung meines Redakteurs. Er schickte mich zu einer kulturellen Veranstaltung, die von den Insassinnen selbst organisiert wurde. Die Vorstellung, diesen verbotenen Ort zu betreten, erfüllte mich zunächst mit seltsamer Aufregung. Doch Kollegen warnten mich: Dies sei einer der unheimlichsten Orte, die man je besuchen könne. Plötzlich tauchten Szenen aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ vor meinem inneren Auge auf – Jodie Foster, die einen kannibalischen Serienmörder interviewt, umringt von bedrohlichen Insassen. Den Auftrag ablehnen konnte ich nicht, also machte ich mich widerwillig auf den Weg.

Es handelte sich um das städtische Zentralgefängnis, wo Männer und Frauen strikt getrennt untergebracht sind. Erleichterung breitete sich aus, als ich erfuhr, dass die Veranstaltung im Frauenflügel stattfand. Auf der Fahrt fragte ich mich: Wie sind weibliche Strafgefangene? Verhalten sie sich wie gewöhnliche Frauen oder sind sie grundlegend anders? Völlig ahnungslos traf ich ein – bewaffnete Polizisten in Khaki vor den imposanten Toren machten schnell klar: Das würde eine andere Welt sein.

Die stellvertretende Superintendentin empfing mich herzlich, informierte mich über das Ereignis und führte mich zur massiven Tür, die Büros von den Zellen trennte. Zuerst wurde meine Hand mit einem „Besucher“-Stempel versehen. In der Veranstaltungshalle fühlte ich mich wie bei einer großen Familienfeier unter Frauen – nur mit strikter Kleiderordnung: Alle trugen weiße Baumwollsaris. Das Programm stand unmittelbar bevor, und die Hektik war greifbar. Die Insassinnen arbeiteten harmonisch zusammen: Eine Gruppe verfeinerte ein prächtiges Rangoli aus Kreide und Sand, eine andere arrangierte Stühle auf dem Podium und schmückte es mit Blumen. Ältere Frauen dirigierten, Jüngere erledigten ihre Aufgaben mit Begeisterung und Geschick.
Ich war so fasziniert, dass ich für Momente vergaß, wo ich mich befand – in einem Gefängnis, vor dem ich mich eben noch gefürchtet hatte. Das Programm begeisterte: Die Frauen tanzten und sangen brillant, obwohl sie kein professionelles Training hatten. Ihr Talent hätte in Castingschauen glänzen können – stattdessen saßen sie hinter Gittern.

Am Rande sprach ich mit einigen Insassinnen. Sie stammten aus verschiedenen Schichten, waren wegen Diebstahl, Betrug oder Totschlag inhaftiert. Gemeinsam war ihnen die Sehnsucht nach Familie, die in ihren Augen leuchtete. Manche beteuerten ihre Unschuld, andere erzählten offen von den Umständen, die zu ihren Taten führten. Am schwersten wogen die Geschichten von Frauen, die von ihren eigenen Angehörigen im Stich gelassen wurden. Eine junge Mutter berichtete, wie ihr arbeitsloser Mann sie zum Diebstahl des Schmucks ihrer Schwägerin überredet hatte – für die Kinder. Ertappt und verurteilt, sah sie ihre Kleinen selten. Schlimmer noch: Kleine Kinder lebten bei ihren Müttern im Gefängnis, weil sie zu jung für eine Trennung waren. Wie unfair, dass sie für fremde Fehler ihre Kindheit opfern mussten.

Ob alle Geschichten wahr waren? Ich wollte es glauben. Auf dem Heimweg trug ich eine Lektion mit: Menschen sind Produkt ihrer Umstände. Statt zu verurteilen, sollten wir verstehen. Diese Frauen unterschieden sich nicht von mir oder meinen Freundinnen – nur die Umstände waren anders. Ich wünschte ihnen eine bessere Zukunft.

- Von Meetu Mathur Badhwar