"Warum wurde ich geboren?“, fragte der junge Amitabh Bachchan einst wütend seinen Vater. Die Antwort von Harivansh Rai Bachchan trägt der "Big B" bis heute in sich. (Aus Amitabh Bachchans eigener Erzählung)Die strenge Disziplin des Internats weicht am College oft einem freieren Geist. Elterliche Kontrolle lässt nach, Respekt und Verantwortung bleiben – doch nicht mehr so rigid.
Der Campus pulsiert mit lebhaften Alumni-Diskussionen über Nation, Politik, Gesellschaft, Moral, Existentialismus und das Leben selbst – Themen, die junge Menschen bewegen.
Dazu kommt der Druck der Zukunft. Der Gruppendruck diktiert: Nicht nur selbstständig werden, sondern die ganze Familie tragen. In den 1950er und 1960er Jahren in Indien fehlten die Chancen, die Jugend heute hat. Nach dem Abitur: Wohin? Welcher Job? Wie? Die idealistischen Debatten im Café münden in Frustration – Wut darüber, nicht zu wissen, was aus einem werden soll.
Sie suchen Antworten bei denen, die sie haben könnten. Ein "erleuchteter" Moment von einem Leidensgenossen: "Warum wurden wir geboren? Zum Leiden." Fazit: Wir hätten nie geboren werden dürfen.
Verärgert und frustriert stürmte ich eines Abends in Vaters Arbeitszimmer und schrie erstmals laut: "Aapne hamme paya kyun kiya?" ("Warum hast du mich geboren?")
Vater, vertieft in sein Schreiben, blickte überrascht auf, dann verständnisvoll – und schwieg ewig. Kein Wort. Nur das Ticken der Uhr und mein heftiges Atmen.
Als nichts kam, ging ich. Eine unruhige Nacht. Am Morgen weckte er mich, reichte ein Blatt und verschwand. Es war ein Gedicht, über Nacht geschrieben: "Nayi Lauch" ("Die neue Generation"):
Zindagi aur zamane ki kashmakash se
Ghabrakar mere ladke mujhse poochhte hain
"Hamme paya kyun kiya tha?"
Aur mere paas iske siwa
Koi Jawab Nahin Hai
Ki mere baap ne bhi mujhse bina pooche Mujhe paya kiya tha
Aur mere baap se bina pooche unke baap ne, unhe,
Aur mere baba se bina pooche unke baap ne, unhe…
Zindagi aur zamane ki kashmakash
Pahle bhi thi ab bhi hai, shayad zyada,
Aage bhi hogi, shayad aur zyada.
Tumhi nayi Lauch Dharana,
Apne beton se poochhkar unhe paida karna!
("Gezogen und zerrissen von den Strapazen des Lebens und der Zeit / Meine Söhne fragen mich: ‚Warum habt ihr uns geboren?‘ / Und ich habe keine Antwort / Mein Vater hat mich nicht gefragt, bevor er mich zeugte / Sein Vater ihn nicht, und so weiter… / Die Wirren des Lebens waren immer da, sind es jetzt mehr, werden es morgen noch mehr sein. / Du, die neue Generation – frag deine Söhne, bevor du sie zeugst!")
Im Leben gibt es keine Ausreden, keine Schuld. Jeder Morgen birgt neue Herausforderungen: Kämpfen oder ergeben. Solange Leben ist, gibt es Kampf! "Jab tak jeevan hai, tab tak sangharsh hai", sagte Vater schwach in Prateeksha.
Sein großes Porträt hängt dort, wo er starb. Täglich schmücke ich es mit frischen Blumen und einer brennenden diya. Neulich gesellte sich Mutters Bild dazu.
Jeden Tag, beim Vorbeigehen oder Treppensteigen, halte ich inne, schaue sie an und hole Kraft. Sein Weisheitslicht trägt mich hinaus.
(Aus Soul Curry: Inspirational Stories To Touch And Heal Your Heart, 2010)