Meine Mutter Bharati trotzte allen Widrigkeiten, um uns großzuziehen (Bild: Shutterstock).Manchmal spüren wir den Drang, unsere Gedanken mit der Welt zu teilen – nicht als literarisches Meisterwerk, sondern um echte Erfahrungen zu vermitteln, die andere inspirieren können. Mit 12 Jahren überkam mich dieser Impuls, als ich täglich miterlebte, wie meine Mutter im Kampf gegen unermessliches Leid stand.
Bharati kam 1957 in einer wohlhabenden bengalischen Familie zur Welt, doch als sechstes Mädchen unter sechs Töchtern und einem Sohn wurde ihr vieles verweigert. Von klein auf lernte sie Gehorsam. Trost fand sie früh in der Literatur. Mit 15 Jahren schrieb sie Gedichte und Romane, die Anerkennung fanden. Nach dem Schulabschluss half sie ihrem Vater, eine Nachbarschule zu gründen. Sie strebte ein Politikwissenschaftsstudium an – doch das Schicksal wollte anders: Eine arrangierte Ehe leitete eine Kette aus Leid ein.
In der Hochzeitsnacht stellte sich heraus, dass man ihr falsche Angaben zum Bildungs- und Finanzhintergrund ihres Mannes gemacht hatte. Allein kämpfte sie gegen körperliche und seelische Misshandlungen. Mutig schloss sie ihr Studium ab, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Bald wurde sie Mutter zweier Töchter, und ihr Mann verlor seinen Job. Die Schwiegereltern verboten ihr zu arbeiten. Um die Familie zu versorgen, aß sie oft nur eine Mahlzeit am Tag. Nach einem Jahr fand er Arbeit. Doch Nachbarn rieten ab, Geld für die Ausbildung der Mädchen auszugeben – Bharati blieb standhaft.
Mit 35 geriet sie in eine Krise: In einem kriminell verseuchten Kohlebergbaugebiet wurde ihre Familie zur Zielscheibe. Vergiftungen durch Nahrung, Wasser und Luft drohten. Sie erhob ihre Stimme – und wurde zur 'Hexe' gestempelt. Die Familie zog mehrmals um, um den Belästigungen zu entkommen.
Einsam durchlitt Bharati Phasen tiefer Depressionen. Eltern, Schwestern, Freunde und Nachbarn ließen sie im Stich. Doch sie gab nicht auf. Bücher aus der Stadtbibliothek wurden ihr Halt. Sie lehrte ihre Töchter Mut, Werte und Selbstvertrauen.
Armut und gesundheitliche Probleme prägten die Jahre. Doch Bharati siegte im Leben: Heute sind ihre Töchter in ihren Berufen etabliert. Sie liest nicht mehr viel und braucht Hilfe im Alltag, motiviert ihre Töchter aber weiterhin.
Bharati ist stolz auf ihre Töchter – und sie auf ihre unerschütterliche Mutter.
Von Paramita Ghosh