Repräsentatives Bild. Wie viele Mädchen aus bürgerlichen indischen Familien habe ich von meiner Mutter immer wieder gehört, dass Ehe vor allem Anpassung bedeutet. Wenn mein Vater an heißen, schwülen Sommerabenden aus dem Büro heimkam, reichte ihm meine Mutter sofort ein Glas gekühltes Wasser. Jeder hörte mitfühlend zu, wenn er von seinem anstrengenden Tag erzählte. Es war ein harter Job – alle stimmten zu.In derselben drückenden Hitze sah ich zu, wie meine Mutter für die ganze Familie kochte: Drei Hauptmahlzeiten – Frühstück, Mittag- und Abendessen – plus unzählige Teepausen dazwischen.
Feste freuten uns alle: Ferien für Schüler und Büromenschen. Doch für meine Mutter hieß das mehr Gäste, mehr Zeit in der Küche, mehr Hausarbeit und weniger Erholung. Beschwerte sie sich je? Nie.
Wenn mein Vater krank war, stand die Welt still. Auf Arztempfehlung blieb er tagelang im Bett, seine Mahlzeiten wurden mit äußerster Sorgfalt zubereitet, das Badewasser perfekt temperiert.
Für meine Mutter war Kranksein hingegen ein Luxus, den sie sich nicht leisten konnte. Mit Fieber oder Rückenschmerzen arbeitete sie weiter in der Küche, nach ein paar Tabletten. Kein lauwarmes Wasser wartete auf ihr Bad – es sei denn, sie war schwer krank. Dann erst gab es eine Pause.
Am Monatsende feierten wir Vaters Gehalt als Frucht seiner harten Arbeit. Wir Kinder waren zu jung, um die Ungleichheit zu erkennen, und Vaters Haltung verstärkte das nur.
Selbst heute, mit über 60 Jahren, ändert sich nichts. Mutter beginnt den Tag mit Frühstücksvorbereitungen. Nach seinem Spaziergang (seit zwei Jahren im Ruhestand) erwartet Vater sein gekühltes Wasser. Bei Krankheit kümmert sie sich rührend um ihn.
Früher hoffte ich auf Wandel: Dass Vater Mutter aus der Küche entlässt, wie er selbst nach der Arbeit ruht. Ich wartete auf seinen Sinneswandel. Vergeblich. Er ruht daheim, sie nie.
– Von Ananya Kiran