Geschrieben von: Shalini KrishnamoorthyJeden Abend blicke ich in den Himmel, während die Sonne untergeht. Vom Balkon aus verbinde ich mich mit jenem einen Stern – er wirkt wie alle anderen, doch für mich ist er einzigartig. Er tanzt mit den anderen in der kosmischen Party am blauschwarzen Firmament, doch als hellster Stern sticht er heraus. Er ist meine Tante, der Leitstern unserer Familie.
Sie lebte mit Anmut und Zuversicht, trotz dreier schwerer Krankheiten, darunter ein Tumor. Als Lehrerin stand sie um 4:30 Uhr auf, kochte für die Familie und war um 7 Uhr in der Schule. Nachmittags erledigte sie Hausarbeit, korrigierte Hefte und gab abends Nachhilfe – eine Routine, die sie jahrzehntelang meisterte, bis sie in den Ruhestand ging.
Die Krankheit dämpfte ihren Frohsinn nicht. Sie blieb meinem Onkel treu ergeben. Neben dem hellsten Stern strahlt immer ihr Gefährte: Die beiden waren füreinander bestimmt. Sie sprach ständig von ihm, kümmerte sich um jede Kleinigkeit – sei es Husten oder ein schlechter Tag. Ein unsichtbarer Faden der Verbundenheit hielt sie zusammen durch Höhen und Tiefen.
Sie ergänzten sich perfekt: Sein Intellekt, seine Neugier und Perfektionismus trafen auf ihre Schlagfertigkeit, ihren Charme und Fleiß. Im Lockdown unterrichtete sie die Krankenschwester im Englischen und die Tochter der Haushälterin für Prüfungen. "Wasch dir die Hände, Beta, und komm", hörte ich sie sagen. Stets war sie an Onkels Seite – untrennbar.
Mit 80 Jahren ging sie, und mit 90 folgte er. "Es war richtig so", sagte ein Cousin. Jeden Abend sehe ich sie als hellsten Stern und seinen Begleiter. Sie wachen weiter über uns, die Leuchtkraft unserer Familie.