Geschrieben von Noor TabassumHaben Sie je darüber nachgedacht, wie gesegnet wir sind, bei guter Gesundheit zu sein – körperlich und geistig? Eine Reise in eine psychiatrische Klinik hat mir die Augen geöffnet: Dort sah ich Menschen, die äußerlich kerngesund wirkten, doch innerlich in tiefster Verwirrung gefangen. Als Expertin für soziale Themen und mit langjähriger Beobachtung gesellschaftlicher Dynamiken betone ich: Geistige Gesundheit ist ebenso entscheidend wie die körperliche.
Eines Tages begleitete ich meine Tante, die für eine NGO arbeitet, in eine Nervenheilanstalt. Sie sollte einen außergewöhnlichen Fall begutachten. Zögerlich folgte ich ihr, doch sie mahnte mich, dankbar zu sein für mein eigenes Leben. Mein Puls raste, als wir das Gelände betraten. Junge Menschen mit zerzausten Haaren lachten irre, andere irrten orientierungslos umher. Der Anblick jagte mir Schauer ein. Psychische Erkrankungen sind oft unsichtbar, doch zerstörerischer als viele körperliche Leiden – sie rauben den Betroffenen Sinn und Verbindung zur Welt.
Wir trafen Khusboo, eine wunderschöne Frau Ende 20. Ihr Haar hing wirr ins Gesicht, die Kleidung zerrissen, die Augen rot und leer auf den Boden gerichtet. Die Schwester kündigte unseren Besuch an. Plötzlich blickte sie auf: „Hast du meinen Aryan und meinen Ravi mitgebracht?“ Verunsichert schwiegen wir. Sie brach in Tränen aus, wälzte sich schreiend am Boden. Erschüttert verließen wir den Raum und sprachen mit der Pflegerin, die uns ihre Geschichte enthüllte.
Khusboo war ein normales, attraktives College-Mädchen, das sich in Ravi verliebte. Trotz unterschiedlicher Kasten elternwidrig heirateten sie, zogen in eine andere Stadt und bauten ein stabiles Leben auf. Nach fünf glücklichen Jahren wurde Khusboo schwanger. Ravi verwöhnte sie wie eine Königin; sie war seine Welt. Im siebten Monat kündigte sie ihren Job, brachte den süßen Aryan zur Welt. Ihr Familienglück war perfekt – Aryan wurde mit fünf in die beste Schule der Stadt aufgenommen. Doch das Schicksal schlug zu.
An einem Abend eskalierte ein Streit zwischen zwei Gruppen zu communalen Unruhen. Die Stadt versank im Chaos: Plünderungen, Morde, blinder Hass. Ravi und Aryan waren einkaufen, als der Mob zuschlug. Ravi eilte mit dem Jungen heim zu Khusboo. Ein wütender Pöbel umzingelte sie, fragte nach Religion. Khusboo, verschleiert, öffnete die Tür. Sie hielten Ravi für Muslim und erschlugen ihn vor ihren Augen. Aryan fiel zu Boden. Khusboo schrie: „Er ist Hindu!“ Der Mob zog ab.
Kaum hatte sie Ravi in den Armen, nahte ein anderer Mob. Sie flehten um Hilfe, nannten sich Hindus. Brutal töteten sie Aryan und stachen Khusboo in den Rücken. Polizeisirenen vertreiben die Täter. Bluthustend umarmte Aryan seine Mutter, bevor beide ohnmächtig wurden.
Im Krankenhaus fragte Khusboo als Erstes nach Aryan und Ravi. Zuerst linderten Lügen ihren Schmerz, doch die Wahrheit brach sie: Beide waren tot. Sie schrie, verlor das Bewusstsein – wieder und wieder. Ihr Geist brach zusammen. Sie griff Kinder, drohte Passanten, rannte mit Messern umher. Unkontrollierbar landete sie in der Klinik.
Diese Nacht weinte ich über unsere intolerante Gesellschaft. Wer gibt uns das Recht, anderen den Glauben aufzuzwingen? Religion ist privat und heilig. Respektieren wir einander, leben wir in Frieden. Sonst zerstören wir uns selbst. Lasst uns leben und leben lassen.
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