Fast acht Prozent unseres Körpergewichts entfallen auf Blut, wovon die Hälfte aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten) besteht. Diese enthalten das rote Pigment Hämoglobin, das Sauerstoff an jede Körperzelle bindet und transportiert. Erfahren Sie, was passiert, wenn mit Erythrozyten oder Hämoglobin etwas nicht stimmt – besonders bei Kindern.
Was ist Anämie?
Anämie liegt vor, wenn die roten Blutkörperchen oder das Hämoglobin ihre Funktion nicht richtig erfüllen. Das kann aufgrund der zentralen Rolle beider bei der Sauerstoffversorgung zu ernsten Komplikationen führen. Babys und Jugendliche sind besonders gefährdet, da Wachstumsschübe die Erkrankung begünstigen.
Verschiedene Arten von Anämie
Anämie gibt es in verschiedenen Formen, je nach Ursache. Zu den wichtigsten bei Kindern zählen:
1. Eisenmangelanämie
Diese entsteht durch Eisenmangel in der Ernährung des Kindes.
2. Vererbte hämolytische Anämie
Eine genetische Erkrankung mit mehreren Unterformen:
- Hereditäre Sphärozytose
Hier haben Erythrozyten eine abnorme Form, die sie empfindlich und zerstörungsanfällig macht.
- Thalassämie
Rote Blutkörperchen werden schneller zerstört, als sie neu gebildet werden. Ursache: abnormes Hämoglobin, das Sauerstoff ineffizient transportiert.
- G6PD-Mangel
Fehlendes Enzym Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase, das Erythrozyten vor Toxinen und Infektionen schützt. Folge: Leichter Abbau der Zellen.
- Sichelzellanämie
Erythrozyten werden spröde, klebrig und sichelförmig, blockieren Gefäße und erschweren die Sauerstoffversorgung.
3. Autoimmunhämolytische Anämie
Das Immunsystem erkennt eigene Erythrozyten als Feind und zerstört sie.
4. Aplastische Anämie
Schädigung der Knochenmarkstammzellen durch Infektionen, Toxine, Medikamente oder Krebs, die für die Erythrozytenproduktion essenziell sind.
Ursachen von Anämie bei Kindern
Häufige Auslöser sind:
- Mangel an Nahrungseisen
Hämoglobin benötigt Eisen aus der Ernährung. Wachstende Kinder haben einen erhöhten Bedarf.
- Menstruation
Bei teenageren Mädchen verstärkt schnelles Wachstum plus Blutverlust die Anämierisiko.
- Bleivergiftung
Führt zu Hämolyse und damit zu Anämie.
- Eisenmalabsorption
Eisen wird trotz ausreichender Zufuhr nicht richtig aufgenommen.
- Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure
Kann ebenfalls Blutarmut verursachen.
Anzeichen und Symptome einer Anämie im Kindesalter
Bei Kindern unter drei Jahren drohen Entwicklungsstörungen und Verhaltensprobleme wie reduzierte Motorik oder Sozialisierungsdefizite. Typische Symptome:
- Schnelle Erschöpfung oder Müdigkeit.
- Unerklärliche Reizbarkeit.
- Gräulich-aschfarbene Haut.
- Gelbliches Aussehen (Haut und Augen).
- Schlafstörungen.
- Konzentrationsschwäche.
Diagnose einer Anämie
Bei niedrigen Erythrozytenwerten schlägt der Arzt folgende Untersuchungen vor:
- Hämoglobinelektrophorese
Erkennt abnormes Hämoglobin, z. B. bei Thalassämie oder Sichelzellanämie.
- Knochenmarkbiopsie
Untersucht Stammzellen direkt auf Produktionsstörungen.
Komplikationen der Anämie
Unbehandelt drohen:
- Lernbehinderung
Beeinträchtigt geistige Entwicklung, Konzentration und Aufmerksamkeit.
- Verringerte Immunität
Erhöhtes Infektionsrisiko durch geschwächtes Immunsystem.
Anämiebehandlungen für Kinder
Therapie richtet sich nach Alter, Vorerkrankungen und Schweregrad:
- Eisenpräparate
Bei Eisenmangel: Tropfen für Säuglinge, Tabletten für Ältere plus eisenreiche Kost.
- Hormonpräparate
Zur Kontrolle starker Menstruationsblutungen bei Mädchen.
- Medikamente
Stimuliert Knochenmark oder bekämpft Ursachen.
- Stammzelltransplantation
Bei schweren Fällen: Spenderstammzellen ersetzen defekte.
Prävention
Konsultieren Sie immer einen Arzt vor Maßnahmen:
- Eisenangereicherte Mahlzeiten
Zerealien oder Babynahrung sichern Versorgung.
- Kuhmilch reduzieren
Nicht vor 12 Monaten: Verdrängt eisenreiche Nahrung und kann Blutungen fördern.
- Ausgewogene Ernährung
Obst, Gemüse, mageres Fleisch, Nüsse, Vollkorn für optimale Nährstoffversorgung.
Eisenreicher Diätplan für Kinder
Empfohlene eisenreiche Lebensmittel:
- Bananen: Reich an Eisen und Magnesium für Hämoglobinproduktion.
- Äpfel, Zitrusfrüchte, Datteln: Vitamin C boostet Eisenaufnahme.
- Spinat, Grünkohl, Mangold: Eisenquellen schlechthin.
- Rote Bete, Bockshornklee: Vielseitig einsetzbar.
Anämie ist meist gut behandelbar. Unbehandelt kann sie jedoch zu Krampfanfällen, Organversagen oder Schlimmerem führen. Bei Verdacht: Sofort zum Arzt!
