Jede Elternschaft bringt Phasen, in denen man ratlos ist, wie man am besten mit dem eigenen Kind umgeht. Was bei einem Geschwisterkind Wunder wirkt, scheitert hier – oft liegt es am unterschiedlichen Temperament. Als erfahrene Erziehungsexperten raten wir: Nehmen Sie sich Zeit, das Temperament Ihres Kindes zu erkennen. So passen Sie Ihre Reaktionen an und bauen eine starke, harmonische Eltern-Kind-Beziehung auf.
Temperament beschreibt den angeborenen Teil der Persönlichkeit, der die Reaktion auf Ereignisse und Interaktionen mit anderen prägt. Es ist von Geburt an vorhanden – sogar Neugeborene zeigen bereits ihr individuelles Temperament.
Es beeinflusst, wie Ihr Kind auf Reize reagiert, mit Neuem umgeht und Disziplin annimmt. Das Temperament zu ändern ist unmöglich und kontraproduktiv. Ein starres System, das dem natürlichen Temperament widerspricht, führt nur zu Frust und Stress.
Die 9 Merkmale des Kindertemperaments
Die Grundlage liefert die wegweisende New York Longitudinal Study aus den 1950er Jahren von Alexander Thomas, Stella Chess, Herbert G. Birch und Kollegen. Sie identifizierten neun zentrale Merkmale:
1. Aktivität
Wie bewegt sich Ihr Kind? Ist es ständig in Action, mäßig aktiv oder eher ruhig?
2. Regelmäßigkeit
Folgt es leicht einem festen Rhythmus bei Schlaf und Essen, oder ist es spontan und unvorhersehbar?
3. Erste Reaktion
Begrüßt es Neues enthusiastisch und offen, oder zieht es sich zögernd zurück?
4. Anpassungsfähigkeit
Passt es sich mühelos an Veränderungen an, oder ist es stark beeinträchtigt?
5. Intensität
Reagiert es ausgeglichen oder mit hoher Emotionalität – früher oft als 'Leidenschaft' bezeichnet?
6. Stimmung
Ist es grundsätzlich fröhlich und angenehm oder eher launisch?
7. Ablenkbarkeit
Wie lange hält es die Konzentration auf eine Aufgabe, bevor es abgelenkt ist?
8. Persistenz und Aufmerksamkeitsspanne
Hält es trotz Hindernissen durch oder wechselt schnell?
9. Empfindlichkeit
Reagiert es sensibel auf Lärm, Licht oder Berührungen – oder schläft es durch alles hindurch?
Wie erkennen Sie das Temperament Ihres Kindes?
Thomas und Chess gliedern Kinder basierend auf diesen Merkmalen in drei Typen. Etwa 40 % sind 'einfach', der Rest 'schwierig' oder 'langsam aufzuwärmen'.
1. Einfach
Ruhig, glücklich, routiniert und anpassungsfähig.
2. Schwierig
Wählerisch, unruhig, schnell überfordert von Reizen.
3. Langsames Aufwärmen
Zunächst zurückhaltend, entwickelt sich aber zu einem entspannten Temperament.
Optimal mit dem Temperament umgehen
Bestimmen Sie zuerst den Typ Ihres Kindes. Vermeiden Sie Etiketten wie 'faul' oder 'zappelig'. Passen Sie Ihr Verhalten an – das schafft Harmonie im Haushalt.
1. Keine Geschwistervergleiche
Jedes Kind ist einzigartig; gleiche Methoden passen nicht.
2. Akzeptieren Sie es so, wie es ist
Kämpfen Sie nicht gegen die Natur – feiern Sie die Einzigartigkeit.
3. Zuhören Sie aktiv
Gespräche offenbaren Persönlichkeitszüge und stärken das Band.
4. Bleiben Sie gelassen
Atmen Sie durch – als Vorbild zeigen Sie emotionale Stärke.
5. Bei Bedarf professionelle Hilfe holen
Temperament ist normal, aber schließen Sie ADHS oder Ähnliches aus.