Mit Brüdern aufwachsen (Bild: Shutterstock)Meine Brüder und ich feiern kein Raksha Bandhan. Doch das heißt nicht, dass wir die tiefe Geschwisterbindung nicht zu schätzen wissen. Geschwister zu haben bedeutet, immer jemanden an deiner Seite zu haben – jemanden, der dich bei Dummheiten rügt und wie ein Schutzengel über dich wacht.
Dank eines schweren Bronchialasthma-Anfalls 1990 wurde ich von Kalkutta nach Trivandrum zu meinen Großeltern geschickt. In diesen sieben Jahren verwöhnten sie mich, ihre Verwandten und meine Geschwister – Cousins und mein Bruder – während der Sommer- und Schulferien bei jedem Besuch maßlos.
Das waren unkomplizierte Zeiten. Ein Weinen oder Beißen genügte, um mir das begehrte Spielzeugauto, die Pistole oder Puppe zu sichern. Als Jüngster wollte niemand mit mir spielen. Betrat ich einen Raum, verstummten Gespräche, und Handheld-Videospiele verschwanden blitzschnell. Ehrlich gesagt fühlte ich mich manches Mal unerwünscht.
Im Laufe der Zeit erkannte ich meine Identitätskrise: Aufgewachsen mit Jungs hielt ich mich für einen von ihnen. Ich bevorzugte Spielzeugpistolen vor zarten Puppen, trug Boxershorts statt geblümter Kleider und hasste es, abends die Haare zu kämmen und einzuölen. Bis zu meinem 21. Lebensjahr wusste ich nichts von Schönheitssalons – für mich waren das Orte, die einem unförmige Rasgulla-Frisuren verpassten.
Je älter ich wurde, desto beschützender wurden meine Geschwister. Jeder Freund vom anderen Geschlecht wurde misstrauisch beäugt. Bei jedem gebrochenen Knochen – und das passierte häufig – rief mein Bruder besorgt an und fragte nach meinem neuesten Unfug. In der Nacht vor meiner Hochzeit versteckte sich mein Verlobter, weil mein 1,80 m großer, kräftiger Cousin "allein mit ihm sprechen" wollte.
Aufwachsen mit Jungs und als Jüngste zu gelten war ein wahrer Segen. In meinen Teenagerjahren überschütteten sie mich mit Gadgets wie Digitalkameras, iPods, Uhren und schicken Handys, die in Indien noch nicht erhältlich waren.
Dank meiner Brüder tickt mein Gehirn für immer halb männlich, halb weiblich. Am Ende ist ein großer Bruder ein Teil von dir: Ihr Scheitern ist deines, ihr Erfolg deiner. Dein Glück gehört ihnen, ihre Trauer dir. Das ist das wertvollste, unersetzliche Gefühl der Welt.
Von Gayatri Bhadran