Belästigt im überfüllten Bus: Warum ich schwieg (Bild: Shutterstock)
Es fällt mir bis heute schwer, darüber zu schreiben. Fast 15 Jahre sind vergangen, doch die Erinnerung ist so lebendig wie am ersten Tag. Das sepiafarbene Bild eines überfüllten öffentlichen Busses, ein verwirrtes Mädchen und ein Mann hinter ihr – sein Gesicht bleibt anonym.
Das erste Mal ist immer etwas Besonderes: Der erste Schultag, das erste Mal hinterm Lenkrad, der erste Schritt in die Unabhängigkeit. Doch an meine erste Busfahrt denke ich mit tiefer Wut zurück.
Ich war es gewohnt, überall begleitet zu werden, und freute mich riesig auf die Fahrt allein – auch wenn es nur ein paar Kilometer waren. Nach dem hundertsten Anruf beim unpünktlichen Fahrer gab meine Mutter auf: „Bist du sicher, dass du den richtigen Bus nimmst? Warum nicht eine Autorikscha?“ „Es sind nur ein paar Kilometer, Mama“, erwiderte ich, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und eilte los – eine Gewohnheit, der ich bis heute treu bin.
Es war ein schwüler Julimorgen. Ich ließ drei Busse vorbeifahren, bevor ich in den stieg, der mir am wenigsten voll vorkam. Die dicke Luft im Inneren roch nach abgestandenem Parfüm und dem vertrauten, rostigen Metall alter Fensterbänke. Die ersten Minuten waren ein Kampf, doch ich hielt durch.
Langsam gewöhnte ich mich an Lärm, Gerüche und Gedränge. Dann spürte ich etwas Unheimliches – schlimmer als Enge. Ich drehte mich nicht um, um zu sehen, was oder wer es war. Nicht wegen der Menge – ich wollte mir meine Angst nicht eingestehen. Der Druck von hinten wurde hartnäckig. Ich fühlte eine fremde Härte an meinem Rücken.
Ich wusste genau, was los war: Ein Mann stand hinter mir. Ich wusste, ich sollte mich umdrehen und ihn zurechtweisen. Stattdessen erstarrte ich. Als 17-Jährige war ich alt genug, um es zu verstehen, doch zu jung und unerfahren, um die Stimme zu finden. Nach 20 Minuten erstickendem Schweigen stieg ich aus.
Meine Freundinnen hatten ähnliche Erlebnisse geteilt: Sie sprachen über Grabschen, doch nie fanden sie den Mut, es laut zu machen. An jenem Tag erzählte ich es ihnen. Eine Freundin riet mir, eine Sicherheitsnadel mitzunehmen, um Grenzen zu wahren. Ich gelobte, es Mama zu sagen. Zu Hause aber lähmte mich wieder dieselbe Stille. Was sollte ich ihr erklären? Dass ich regungslos dagestanden hatte, während ein Mann im vollen Bus seine Erregung an mir rieb? Damals wagte ich nicht mal, das Wort „Erektion“ auszusprechen!
Fast jedes Mädchen erlebt im Heranwachsen Berührungen oder sexuelle Annäherungen. Es kann in der Schule passieren, wie bei meiner Freundin während einer Wissenschaftsausstellung. Sogar ein Kollege, ein Mann, wurde jahrelang zu Hause von einem Hausangestellten belästigt – und trägt die Last bis heute.
Wie brechen wir das Schweigen? Wie wehren wir uns? Manche lernen, sich mit einer Nadel zu schützen, wie das Mädchen aus meinem College. Doch was ist mit denen, die bei dem Gedanken an vertraute Gesichter und geschlossene Türen erschaudern?
– Von Rupamudra Kataki