Als Studienanfängerin zog ich das erste Mal nach Chennai – voller Vorurteile gegenüber der Stadt. Diese wurden sofort durch zwielichtig wirkende Autorikscha-Fahrer bestätigt, die unser Gepäck schnappen wollten. Sie waren keine Diebe, sondern suchten Passagiere für überhöhte Preise. Doch nach wenigen Tagen lernte ich, mit ihnen umzugehen.In meinen drei Jahren als Studentin in Chennai blieb meine Skepsis gegenüber den 'Auto-Annas' bestehen. Die Zeit schenkte mir meine beste Freundin Dhanya, eine tolle Freundesrunde, tiefe Liebe zur Stadt und einen Literaturabschluss. Nach dem Bachelor wollte ich für meinen Master bleiben, doch das Schicksal führte mich zurück nach Kerala.
Sieben Jahre später, zur Hochzeit von Dhanya, kehrte ich mit einem Seesack voller Schmuck und Geschenke nach Chennai zurück. Am Bahnhof begrüßten mich die vertrauten feilschenden Auto-Annas – ein Gefühl von Nostalgie. Die nächsten Tage waren ein Wirbel aus indischer Hochzeitsfreude: herzliche Verwandte, festliche Gerichte und unzählige Rituale.
Am Abend des Empfangs freute ich mich auf das Wiedersehen mit Freunden und Lehrern. Mahalakshmi lud uns zu sich nach Hause ein. Statt bei der Braut zu bleiben, fuhr ich mit Maha, Shruthi, Jaya und anderen – sechs Personen, zwei Autorikschas. Meine Tasche landete im Heck des ersten Fahrzeugs. Zur besseren Platzverteilung wechselte ich ins zweite. 'Passt auf meine Tasche auf!', rief ich noch. Die Fahrer nahmen getrennte Routen, um Staus zu vermeiden.
Als wir Mahas Haus erreichten, sah ich das andere Auto davonfahren – mit meiner Tasche! Panik brach aus. Gegen 22 Uhr jagten wir es vergeblich durch den Verkehr, suchten am Auditorium, fragten herum. Ein Polizist riet zur Anzeige, doch Hoffnung schwand.
Voller Reue irrte ich umher: Diamantring, Goldkette, Sari – alles weg. Was sollte ich meinen Eltern sagen? Plötzlich rief Shruthi an: Der Fahrer war zurückgekehrt und hatte die Tasche gebracht!
Wir rasten zurück. Der Fahrer wartete geduldig. Er war nach Hause gefahren, hatte sich umgezogen und die Tasche entdeckt. Als ehrlicher Mann aus bescheidenen Verhältnissen brachte er sie zurück – ohne Vorwurf oder Prahlerei. Ich dankte ihm überschwänglich, bot Geld an. Er nahm nur die Benzinkosten. Nach hartnäckigem Feilschen akzeptierte er mehr.
Ein 'geldgieriger Schlitzer'? Falsch gedacht! Diese Erfahrung aus meiner Zeit in Chennai lehrte mich: Vorurteile täuschen. Ehrlichkeit existiert überall.
(Von Parvathy Rajmohan, basierend auf persönlicher Erfahrung)