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Freiwillig kinderlos in der indischen Gesellschaft: Meine persönliche Geschichte

Freiwillig kinderlos in der indischen Gesellschaft: Meine persönliche GeschichteAls 34-jährige verheiratete Frau mit intakten Fortpflanzungsorganen und einer stabilen beruflichen Situation teile ich offen meine Entscheidung: Nach neun Jahren Ehe wollen mein Mann und ich kinderlos bleiben.

Zu Beginn unserer Ehe wussten wir, dass wir uns zunächst auf ein entspanntes Leben konzentrieren wollten – reisen, Familie kennenlernen und Spaß haben. Mit der Zeit wurde meinem Mann klar, dass wir ohne Kinder glücklicher sind. Er sah seine Freunde und Cousins als Eltern und konnte sich das nicht vorstellen. Auch ich spürte keinen Mutterinstinkt. Meine biologische Uhr tickt laut dem Gynäkologen, doch für mich bleibt sie stumm. Wir sind uns einig: Wir sind nicht für die Elternschaft gemacht und wollen kein Kind zeugen, nur um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen – das wäre unverantwortlich.

Unsere Familie lebt im traditionellen indischen System, geprägt von Werten, Kultur und dem Ideal einer Familie mit "miya, biwi aur do bacche". Mutterschaft wird verehrt, daher stößt unsere Wahl auf Ablehnung. Bereits bei der Verlobung wurde mir der Segen für einen Erben – vorzugsweise männlich – gewünscht. Erwartungen begleiteten uns: Jede zweite Monate fragten Verwandte oder Nachbarn nach einer verspäteten Periode. Spekulationen kursierten, wer der "Defekt" sei. Ich hörte Sätze wie: "Habt ihr einen guten Gynäkologen konsultiert? Ihr werdet das bereuen! Oder: Wie kann man freiwillig keine Kinder wollen?" Eine Nachbarin mutmaßte sogar, ich hätte meinen Golden Retriever sterilisieren lassen, weil ich "verflucht" sei. Diese Fragen richteten sich immer nur an mich – und meist, wenn mein Mann abwesend war.

Anfangs war das emotional belastend. Mein Mann forderte mich auf, für unsere Entscheidung einzustehen. Bald lernte ich, dass ich niemandem Rechenschaft schuldig bin.

In Indien war lange der Traum vieler Frauen, heiraten, Kinder bekommen und sie großziehen. Eine Frau wurde nach Haushaltsführung und Fruchtbarkeit bewertet. Unfruchtbarkeit galt als Sünde, oft auf die Frau geschoben – Männer blieben unverdächtig. Viele wurden verstoßen wie nutzloses Vieh. Wir Frauen passen uns seit Jahrzehnten dem patriarchalischen Ideal der "bhartiya nari" an.

Mutterschaft bringt tiefe Erfüllung, wie ich bei Freundinnen sehe. Doch es ist auch eine lebenslange Verpflichtung. Viele beneiden mich um schlaflose Nächte, Wutanfälle und verpasste Karrieren. Elternschaft erfordert Fähigkeiten und ständige Priorisierung des Kindes – in Zeiten anspruchsvoller Jobs keine leichte Aufgabe.

Heute finden viele Erfüllung anderswo: Ich kümmere mich um zwei Hunde und vier Katzen und helfe Tieren in Not. Seelennahrung ist individuell. Prioritäten verschieben sich: Nuklearfamilien, Reisen, Hobbys und Luxus statt Kinder. Kinder als "Stütze im Alter" verlieren an Relevanz in Metro-Städten. Viele junge Inder emigrieren, lassen Eltern allein.

Frauen sind finanziell unabhängig, die patriarchale Ordnung bröckelt. Wir treffen eigene Entscheidungen. Der moderne Mann sieht die Partnerin als Gleichberechtigte. Rollen ändern sich, Erfüllung entsteht ohne Kinder. Paare wählen bewusst kinderlos – eine valide, erfüllte Lebensweise.

Von Neha Gupta