Eine 'abnormale' Schwiegertochter sein (repräsentatives Bild)
In unserer Gesellschaft gelten bestimmte Normen als unumstößlich – doch nicht für alle. Manche Menschen durchschauen die unsichtbaren Regeln, die durch geschlechtsspezifische Bräuche und Rituale der indischen Kultur aufrechterhalten werden. Was für die Mehrheit 'normal' ist, wirkt für sie höchst 'abnormal'.
Es ist üblich, von einer verheirateten Frau zu erwarten, dass sie nicht nur ihren Ehemann, sondern die gesamte Familie versorgt. Als 'Anormale' stellte ich diese Erwartung infrage. Einmal wartete meine Schwiegermutter darauf, dass ich aus dem Salon zurückkehrte, um für sie zu kochen – mein Schwiegervater gesellte sich dazu. Warum wartete sie nicht selbst und kochte rechtzeitig? Warum war das Kochen für die ganze Familie plötzlich nur noch meine Pflicht?
Eine weitere Frage beschäftigt mich: Warum sollen 'Bahus' (Schwiegertochter) die Füße der Schwiegereltern berühren? Oder das unreine Geschirr wegräumen? Ich verglich mich mit der leiblichen Tochter der Familie. Wir waren unterschiedlich – ich Lehrerin, sie eine Berühmtheit. Durch Beobachtung hörte ich meine Schwiegermutter sagen: "Woh joothe bartan uthaa sakti hai, woh teri bhabi hai." Mir wurde klar: 'Bhabi' zu sein bedeutet, diese Pflichten zu übernehmen.
Meine Erkenntnisse zeigten: Der einzige Unterschied zur Familiendaughter war, dass ich die Tochter eines anderen bin. Daher gilt es als 'normal', sie zu solchen Gesten zu zwingen, selbst wenn sie widerstrebt.
Und die Kinder? Ältere Familienmitglieder diktieren den Zeitpunkt. Den 'Bahu' fragt niemand – sie bedrängen den Sohn, da 'es Zeit ist'. Unser Intimleben ist keine private Sache; Ältere greifen unter dem Deckmantel des Themas 'Kinder' ein. Sie sind 'normal', ich die Abweichlerin.
– Von Jaspreet Kaur