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Verantwortung und Pflichten: Verzichten wir auf unser Recht auf Glück?

Verantwortung und Pflichten: Verzichten wir auf unser Recht auf Glück?Wir alle sind gesegnet, dieses Leben zu führen. Manche schätzen es und genießen es in vollen Zügen, andere – wie ich es oft erlebt habe – nehmen es als selbstverständlich hin, ohne Dankbarkeit für dieses Geschenk des Allmächtigen. Seit fast einem Jahrzehnt lebe ich nun außerhalb Indiens und betrachte das Leben aus einer neuen, erweiterten Perspektive.

An einem sonnigen Frühlingsmorgen wartete ich vor der Schule meiner Tochter, um sie abzuholen. Da es Wochenende war, endete der Unterricht früher. Das Tor war noch geschlossen. Plötzlich bemerkte ich in der Ferne eine Schulbusbegleiterin vor dem leicht geöffneten Schultor. Sie rang nach Atem, wirkte krank und unruhig.

Ich konnte nicht anders und ging zu ihr: „Geht es Ihnen gut? Brauchen Sie Hilfe?“

Sie antwortete höflich: „Mir geht es gut, Madam.“

Ihre Blässe und Schwäche sprachen eine andere Sprache. Ich berührte leicht ihre Hand – sie hatte hohes Fieber. Hatte sie Medikamente genommen? Ja, sagte sie, und wartete, dass sie wirkten. Sie brauchte dringend Ruhe und richtige Behandlung. Ich bot ihr Wasser und Saft an, die ich für meine Tochter mitgebracht hatte. Dankbar nahm sie das Wasser und bedankte sich.

Während sie trank, erkannte ich sie wieder: Vor Jahren hatte sie meine Kleine im Schulbus begleitet. Nun fahren wir als Eltern. Sie schien sich auch an mich zu erinnern.

„Wie geht es Ihnen? Was gibt es Neues?“, fragte ich.

Mit traurigem Lächeln: „Mir geht es gut, Madam.“

Ich spürte, dass mehr dahintersteckte, und hakte nach. Ohne Zögern schilderte sie ihren Alltag: „Immer dasselbe. Früh aufstehen, Pflichten erledigen, zurück ins Zimmer, kochen, putzen, schlafen – und am nächsten Tag wieder Dienst.“ Ihre Worte alarmierten mich; sie wirkte tief deprimiert. Ich ermutigte sie, mehr zu erzählen.

„Madam, darf ich etwas teilen? Bitte behalten Sie es für sich.“

„Natürlich!“

Mit traurigem Blick begann sie: „Verantwortung hat uns hierhergebracht. Wir kommen, um unsere Familien zu Hause zu versorgen. Finanziell müssen wir stark sein. Obwohl Filme und Bücher so ein Leben andeuten, ist die Realität hart – ganz anders als Fantasie. Dennoch akzeptieren wir es und erfüllen unsere Pflichten.

Wir stehen um 4 Uhr auf wegen der Warteschlange am Bad. Um 6 Uhr müssen alle fertig sein. In unserer Villa mit sieben 2-Zimmer-Wohnungen hausen acht bis zehn Frauen pro Zimmer – obwohl die Vorschrift nur sechs erlaubt. Insgesamt 18 Frauen pro Wohnung: Überfüllung pur, man kann kaum atmen. Dienstbeginn zwischen 6 und 9 Uhr im Bus, dann knapp zwei Stunden für Kochen und Mittagessen – wenn keine Extraaufgaben kommen. Danach Dienst bis 15 Uhr, bei Nachhilfe bis 18 Uhr. Nur freitags Zeit für Einkäufe, Putzen und Familienbesuche. Nach 20 Uhr kein Verlassen mehr des Geländes – Tor zu, Erklärung abgeben für Übernachtung draußen. CCTV überwacht alles streng. Strenger als im Gefängnis: Kein TV, keine Filme, kein Ausgehen.“

Ein Kollege unterbrach sie: Der Vorgesetzte rief an, Extraaufgaben. Sie schenkte mir ein nachdenkliches Lächeln, bedankte sich und ging.

Ich blieb zurück, tief in Gedanken über Jobs, Gesellschaft, Menschlichkeit und Verantwortung versunken. Millionen verlassen ihre Heimat, um zu verdienen – in Arbeiterunterkünften. Unternehmen sollten Glücksprogramme bieten: Picknicks, gemeinsame Mahlzeiten, Freude nach harter Arbeit. Solche Menschen verdienen eine gesunde Umgebung, in der sie glücklich leben können. Die größte Veränderung beginnt innen: Seelenreinigung und Hilfe für die Schwächsten. Lassen Sie uns gemeinsam die Ärmsten und Benachteiligten unterstützen.

Genau dann rannte meine Tochter herbei, als das Tor aufging, und wollte Wasser oder Saft. Lächelnd sagte ich: „Schatz, lass uns heimfahren, ich besorg es dir unterwegs.“

– von Lamiya Siraj