Ganguly Buri (Foto: Rikhia Mustafi). Sie wird als „Ganguly buri“ bekannt sein – ihren vollen Namen kennt niemand genau, nicht einmal sie selbst. Die Leute rufen sie so. Sie ist fast 85 Jahre alt, vielleicht älter. Und sie bettelt um Almosen.Sie sitzt täglich nahe der 206-Fuß-Brücke ( gegenüber vom Kalimandir) in Salt Lake, Westbengalen. Beim ersten Mal brach es mir das Herz. In ihrem Alter sollte sie zu Hause ruhen – stattdessen bettelt sie. Sie sieht kaum noch etwas, geht nur mühsam. Seit 2–3 Jahren haust sie dort.
99,99 % der Vorbeikommenden – Büromenschen, Schüler, Studenten – ignorieren sie. Niemand nimmt sich Zeit, nachzufragen. Eines Tages hielt ich inne. Ich sprach sie an: Woher kommst du? Tausend Fragen brannten in mir. Sie blickte mir 5–10 Sekunden in die Augen und erzählte: Sie hat niemanden mehr, ihre Verwandten haben sie verstoßen.
Sie weinte und klammerte sich an mich. Endlich jemand, mit dem sie reden konnte. Gott habe sie erhört, sagte sie. Die Leute demütigen sie beim Betteln um Essen, spenden mal eine, mal zwei Rupien.
In ihrer Hand klimperten ein paar Münzen. Ich fragte nach ihrem Tagesverdienst – und wollte mehr geben. Sie lehnte ab. Meine Tränen flossen. Wenige Passanten blieben stehen, neugierig, doch stumm.
Zeitnot zwang mich zum Gehen. Ich gab ihr 200 Rupien für Essen und Ruhe. Später erfuhr ich: Sie kommt nur zweimal wöchentlich, gesundheitlich limitiert.
Den ganzen Tag dachte ich an sie. Am nächsten Tag wartete sie – ungläubig, aber hoffnungsvoll. Seit 3–4 Monaten versorge ich sie mit Basics. Ich bat sie, nur einmal wöchentlich zu kommen. Sie zögert: „Ich fühle mich verpflichtet.“ Ich treffe sie nicht immer, doch sie geht nie hungrig schlafen.
„Wenn ich hungere, geht’s dir auch schlecht“, sagt sie voller Vertrauen. Beim bengalischen Neujahr schenkte ich Medikamente und neue Kleidung. Sie schalt mich – doch ihre Augen strahlten vor Glück.
Sie segnet mich herzlich. Nun will sie meine Hochzeit sehen – ich versprach es, sie wird erste Geladene. Manche Dinge lassen sich nicht kaufen. Die Welt nicht ändern, doch kleine Taten zählen.
Ich half vielen Bettlern, weiß von Tausenden in Not. Alle nicht retten, aber für Schwache tun. Zu mindestens einem gut sein. Ich sah ihr „Garagenhaus“ – sie bot mir sogar Münzen an, wie Eltern Kindern.
Kritiker mögen urteilen, doch sie ist Mensch und verdient Würde. Ich suche einen besseren Ort – bald gefunden. Kein Gott sein, nur teilen: Ihre Geschichte braucht Zuhörer. Nehmt euch Zeit. Schätzt eures. Danke an Familie, Freunde und Sayak Pal für Unterstützung.
(* buri bedeutet auf Bengalisch „alte Frau“.)
– Von Rikhia Mustafi