Alles, was ich brauchte, war ein wenig Hilfe – und sie kam von der unerwartetsten Person (repräsentatives Bild). Es war eine dunkle, stürmische Nacht, und ich stand gestrandet am Busbahnhof. Von dort musste ich zu meinem Hostel an der Universität, die etwa 10 km entfernt in einem dünn besiedelten Gebiet lag. Der letzte Bus, der um 20:00 Uhr abfuhr, war mir entgangen.Allein dastand ich und malte mir aus, was alles schiefgehen könnte. All die Horrorgeschichten über Frauen, die Opfer unheimlicher Verbrechen wurden, gingen mir durch den Kopf.
Auf der Plattform, die ich in den letzten zwanzig Minuten zu meinem provisorischen Zuhause gemacht hatte, warteten noch zwei weitere Personen: ein Mann mittleren Alters und ein Jüngerer, der wie sein Sohn aussah. Jedes vorbeifahrende Fahrzeug wirkte bedrohlich, und die vier misstrauischen Blicke, die mich musterten, jagten mir Angst ein. Das waren Zeiten ohne Smartphones oder Apps für Taxis. Nach dem Sturm brach die Stromversorgung zusammen, und die Dunkelheit legte sich über die Dörfer.
Ich war ratlos, wie ich die Uni erreichen sollte, und flüsterte ein Gebet um Führung. Plötzlich, als hätte jemand oben alles gehört, hielt ein junger Mann auf dem Fahrrad an der Haltestelle und kam auf mich zu.
„Sind Sie nicht von der Uni? Was machen Sie hier ganz allein?“, fragte er direkt, ohne sich vorzustellen.
„Ja... ich bin im Regen hängen geblieben und habe den letzten Bus verpasst“, antwortete ich, den Tränen nahe.
Er bemerkte meine Verzweiflung, räusperte sich und sagte mit einer so warmen, kinderfreundlichen Stimme: „Auch ich bin Student, MBA im zweiten Jahr. Ich fahre zur Uni. Komm mit!“
Es klang nicht wie eine Bitte, sondern wie eine sichere Zusage, voller stählerner Entschlossenheit. Während ich zögerte, trat der ältere Mann vor: „Belästigt er Sie?“
Bevor ich antworten konnte, lachte der junge Mann: „Sehe ich aus wie jemand, der sich im Regen absichtlich durchnässen lässt, um hilflose Mädchen zu belästigen?“ Er zog eine Karte aus seiner Tasche – einen grünen Uni-Ausweis, genau wie meinen. Er war Student.
Endlich fasste ich Mut, stieg auf den Soziussitz seines Fahrrads. Der Regen hatte aufgehört, und wir erreichten die Uni heil und unversehrt.
Zwanzig Jahre später denke ich an diese Nacht und lächle. Hätte ich den Bus nicht verpasst, hätte ich meinen Mann nie getroffen!
– Von R. Kashyap