Als ich an diesem Tag nach Hause kam, entdeckte ich eine Tasche auf dem Tisch in meinem Zimmer. Sie sah ungewohnt aus, und mir war sofort klar: Papa hatte Opa, meine Tante, meinen Onkel und meinen Cousin besucht. Es war der Tag nach meinem Geburtstag, und ich ahnte, dass die Tasche voller Geschenke für mich war.
Wie ein Kind im Süßigkeitenladen stürzte ich mich darauf und wühlte neugierig darin. Papa gesellte sich zu mir und half, zuzuordnen, wer was geschickt hatte. Tatsächlich waren es Geschenke von allen – inklusive einer selbstgemachten Karte meiner dreijährigen Nichte. Aufgeregt zählte ich im Kopf: Alles da, nur... eins fehlte. „Wo ist Opas Umschlag?“, fragte ich mich.
Seit Opa den Markt nicht mehr besucht, schickt er uns diesen Umschlag, damit wir uns etwas Schönes aussuchen können. Eine leichte Enttäuschung mischte sich in meine Freude. „Hat er es vergessen?“, dachte ich.
Es entbrannte ein kleiner innerer Dialog:
Kopf: Ist es nicht normal, mal zu vergessen?
Herz: Ja, aber...
Kopf: Aber was? Er hat dich doch morgens zum Geburtstag angerufen!
Herz: Stimmt. Vielleicht ist das ja wichtiger...
Ich packte die Geschenke weg, zog meinen Schlafanzug an und aß ein besinnliches Abendessen. Da brachte Mama eine kleine Schachtel Süßigkeiten aus Opas Haus. „Schau mal rein!“, sagte sie aufgeregt. Und da war er: der Schlüssel zu Opas Geschenk! Mein Lächeln muss atemberaubend gewesen sein. Er hatte es nicht vergessen – nur clever versteckt. Ich fühlte mich albern, so dramatisch gewesen zu sein.
Sofort griff ich zum Telefon. Warum das Versteckspiel? Seine Antwort berührte mich tief: Er hielt es für zu unbedeutend, jetzt wo ich unabhängig bin.
Wie konnte er das denken? Die erste Mickey Mouse von ihm war mein absolutes Lieblingsspielzeug. Die Bälle, die er mir kaufte, als ich noch klein war. Der Pullover, der mich in kalten Tagen wärmte wie seine Umarmungen. Das war es, was zählte!
Wie Mutter Teresa sagte: „Es kommt nicht darauf an, wie viel wir geben, sondern wie viel Liebe wir in das Geben stecken.“ Mit den Jahren vergeht der kindliche Drang nach Geschenken, doch das Verlangen nach dieser Liebe wächst nur.
- Von Nikita Gupta