"Mach deine Hausaufgaben fertig, sonst darfst du nicht fernsehen."
"Iss dein Gemüse, sonst gibt’s kein Eis zum Nachtisch."
"Wenn du in Prüfungen gut abschneidest, gehört dieses iPad dir."
"Bei weiteren Wutanfällen schicken wir dich aufs Internat."
Meine Tochter ist inzwischen 9 Jahre alt, und ich habe unzählige Male zu solchen Mitteln gegriffen, um sie zu disziplinieren. Wenn sanftes Bitten nichts bringt, greifen viele Eltern – ich eingeschlossen – zur emotionalen Erpressung als schnellem Weg. Wir nutzen sie für Kleinigkeiten wie das Zubettgehen oder für Wichtiges wie gute Noten. Kurzfristig wirkt es, doch die langfristigen Folgen für unsere Kinder ignorieren wir oft. Wir säen damit die Saat für Manipulation: Wir lehren sie, dass Bestechung akzeptabel ist und man andere erpressen darf, um sein Ziel zu erreichen. Emotionale Erpressung macht Kinder eigensinnig, schränkt ihre eigene Entscheidungsfähigkeit ein und entwertet den Sinn von Disziplin. Sie verstehen nicht, warum eine Aufgabe wichtig ist, sondern entwickeln nur Abneigung, weil sie erzwungen wird.
Eines Tages hatten wir Gäste zum Mittagessen. Das 5-jährige Kind unserer Freunde lehnte Palak Paneer ab. Meine Tochter zeigte mit dem Finger darauf und sagte schlagfertig: "Du bekommst danach keinen Nachtisch!" Ich war peinlich berührt und sprach später mit ihr. Auf meine Frage, warum sie sich so benommen habe, erwiderte sie: "Aber so ist es doch immer, oder Mama? Es gibt immer Bedingungen." In diesem Moment erkannte ich meinen großen Erziehungsfehler. Für sie war Gemüseessen nur eine Bedingung geworden – nicht der Wert einer gesunden Ernährung. Bestechung und Erpressung sind das Letzte, was wir unseren Kindern beibringen wollen. Genau das hatte ich getan. Ich wollte ihr Autonomie und Unabhängigkeit schenken, tat aber das Gegenteil.
Welche Alternativen gibt es? Ich ringe täglich damit, verliere manchmal die Geduld und rutsche ab. Doch ich arbeite daran: Ich bin geduldiger, höre zu, frage nach ihren Ideen. Es klappt nicht immer, aber ich lege den Grundstein für starke Werte. Sie hat ein langes Leben vor sich mit vielen Herausforderungen. Wichtig ist, dass sie lernt: Nicht alles im Leben ist bedingt. Zumindest Gemüse und Eis nicht.
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