Repräsentatives BildEs war ein rarer freier Samstagabend. Mein Mann und ich teilen selten Wochenenden – unser Berufsalltag als Ärzte lässt wenig Raum dafür. Besonders als Assistenzärztin mit 12-Stunden-Schichten und Wochenenddiensten ist das Leben hektisch.
Diesmal hatten wir frei und planten den perfekten Tag: Online-Frühstück und Mittagessen, unser Zimmer für einen Film-Marathon vorbereitet. Genau das, wonach wir nach Monaten im Krankenhaus lechzten. Mein Mann buchte sogar einen Home-Spa-Service – pure Entspannung ohne Aufwand, dank moderner Technik.
Doch bald kroch Unruhe in uns hoch. Der Tisch quoll über von halb leeren Essenskisten, vor dem Fernseher herrschte gedankenleere Stille. Beim Zappen durch die üblichen Filme wurde die Langeweile unerträglich.
„Lass uns rausgehen!“, schlug ich vor.
„Jetzt? Es ist schon 18:30 Uhr“, seufzte er.
„Wir haben den ganzen Tag nichts getan. So wollte ich das nicht!“
„War das nicht genau unser Plan? Faulenzen pur – der ideale Tag!“
Ich antwortete nicht, zog mich an, und er folgte. Nur sieben Kilometer trennten uns vom Yamuna-Ufer. Die Fahrt dauerte über eine Stunde durch den Stau, die Luft war verschmutzt. Doch am Flussufer, mit Blick auf Delhis Skyline, veränderte sich alles.
Ein mitternachtsblauer Himmel – ungewöhnlich für Delhi, wo der Nachthimmel sonst bernsteinfarben glüht wie ein ferner Brand. Beim Zusehen breitete sich tiefe Erleichterung aus. Wir fühlten uns glücklich. Und da wurde uns klar: Dinge, die das Leben erleichtern, machen es nicht immer glücklicher. Wahres Glück entsteht oft erst durch die Mühe – bei uns waren es gerade mal sieben Kilometer bis zum Glücksort!
Von Shruti Mehta, Assistenzärztin