Sind wir wirklich dankbar für das Leben, das wir haben? Bangalore hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Hier habe ich meinen ersten Job gefunden, mein unabhängiges Leben begonnen und lebenslange Freunde gewonnen. Schon jetzt freue ich mich auf jede Reise dorthin – sei es beruflich bedingt. Immer habe ich eine lange To-do-Liste für meinen Aufenthalt in der Stadt.Beim letzten Mal war ich unglaublich aufgeregt. Ich plante zehn Tage in Bangalore: Treffen mit Freunden, Shopping und mein geliebtes Biryani. Kaum gelandet, rief ich meinen Mann an: "Die nächsten zehn Tage vergesse ich, dass ich verheiratet bin und Haushalt erledigen muss. Ruf mich nicht an, wenn du etwas suchst!" Er lachte nur und versprach, mich in Ruhe zu lassen.
Ich checkte in meinem alten PG ein, wo ich die ersten zwei Jahre in Bangalore gelebt hatte. Ich bekam ein Zweibettzimmer und freute mich auf meine Mitbewohnerin – doch sie war verreist. Die ersten Tage verbrachte ich hauptsächlich arbeitend und wartete sehnsüchtig auf das Wochenende. Samstag traf ich Freunde, genoss das beste Biryani der Welt. Abends fühlte ich mich jedoch unwohl und kehrte früh ins PG zurück.
Schnell entwickelte ich hohes Fieber, eine schwere Halsschmerzen. Ein Freund brachte mich zum Arzt: Diagnose schwere Mandelentzündung. Zehn Tage Antibiotika, Schmerzmittel, Bettruhe, milde Kost und Wärme. Alle Pläne platzten. Ans Bett gefesselt, statt mit Freunden unterwegs, Khichdi statt Biryani – ich weinte vor Enttäuschung, verfluchte mein Schicksal und rief meinen Mann an.
Mitten im Telefonat klopfte es. Vor mir stand ein Mädchen, halb so groß wie ich, auf Krücken: "Hi, ich bin deine Mitbewohnerin." Sie hatte einen Buckel und verkrümmte Füße, konnte ohne Krücken nicht gehen. Trotzdem machte sie ihr Bett, holte Essen, lernte für ihr IT-Job und ein Regierungsprüfung. Aus armen Verhältnissen, Familienversorgerin. Vor dem Schlafengehen betete sie: Dank an Jesus für ihr schönes Leben.
Ich war baff. Sie mit all ihren Herausforderungen dankte für alles – ich jammerte wegen Biryani und Freunden. Plötzlich fühlte ich mich klein. Tränen flossen neu, diesmal vor Erkenntnis. Diese Begegnung lehrte mich: Ich bin dankbar für alles, was ich habe – und werde es immer sein!
- Von Shringi Shrivstava