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Nur sie hätte die Wahrheit sagen können: Die tragische Geschichte häuslicher Gewalt in Mumbai

Nur sie hätte die Wahrheit sagen können: Die tragische Geschichte häuslicher Gewalt in MumbaiRepräsentatives Bild

Als ich kürzlich nach Mumbai umgezogen bin, suchte ich eine zuverlässige Haushaltshilfe für Putzen, Waschen und Aufräumen. Das Dienstmädchen meiner Nachbarin brachte eine Bekannte mit – eine Frau Anfang zwanzig.

„Mem Saab, sie erledigt die Arbeit für Sie“, sagte sie.

Ich musterte die blasse Gestalt skeptisch und fragte mich, ob sie die Arbeit überhaupt schaffte. „Sie macht saubere Arbeit, Mem Saab. Bitte behalten Sie sie – sie braucht das Geld dringend“, versicherte sie.

Was ich an den Haushaltshilfen in Mumbai besonders schätze: Trotz ihrer eigenen harten Lebensumstände strahlen sie oft mit einem Lächeln und helfen sich gegenseitig im Clan.

Aus Respekt vor ihren Worten stellte ich die Frau ein. Suman hieß sie. Pünktlich um 8 Uhr kam sie nächsten Tag. Sie brauchte keine Anweisungen – sie kannte ihren Job bestens.

Innerhalb einer Stunde glänzte das Haus, die Utensilien wirkten wie neu.

Dieses Tempo hielt eine Woche an. Eines Tages trug sie ihren Sari vollständig über Schulter, Rücken und Händen. Ständig zupfte sie am Saum, um sich abzudecken.

Meine Neugier war geweckt. Ich fragte nach. Zuerst leugnete sie, dann brach sie in Tränen aus – eine Seite an ihr, die ich nie gesehen hatte.

Sie lüftete den Sari: Brutale Misshandlungen zeichneten ihren Rücken und ihre Hände – Blutergüsse, Verbrennungen. Ihr Ehemann, ein Trunkenbold, demütigte und schlägt sie regelmäßig.

„Haben Sie Kinder?“, fragte ich. Erleichtert schüttelte sie den Kopf, gestand aber: Sie ist schwanger.

„Mem Saab, mein Mann und seine Eltern quälen mich um Geld. Sie fordern, dass ich Sachen und Geld mitbringe. Mein Vater ist Tagelöhner, meine Mutter Haushaltshilfe wie ich. Als Älteste von fünf Geschwistern habe ich alles gegeben, was meine Eltern leisten konnten. Aber sie spotten nur und verlangen mehr.“ Ihr Schluchzen war herzzerreißend.

„Was ist nur in ihrem Haus los?“, dachte ich. Ich gab ihr ein gutes Mittagessen und sagte, sie solle den Tag ruhen. Dankend ging sie – ich ahnte nicht, dass es das letzte Mal war.

Am nächsten Tag fehlte sie wie auch die Nachbarin. Beim Tag danach kam letztere weinend: „Mem Saab, Suman liegt mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus. Die Familie sagt, der Herd explodierte beim Kochen – aber …“

Ich spürte die Andeutung: Kein Unfall? Vielleicht Suizidversuch vor lauter Qualen oder gar versuchter Mord.

Im Krankenhaus konnte sie kaum sprechen, ihr Atem stockte. Eltern weinten verzweifelt, Ehemann überzeugte die Polizei von einem Unfall, Schwiegereltern taten betroffen.

Am nächsten Morgen erlag sie den Verbrennungen – mit ihrem ungeborenen Kind.

Ihr Tod blieb ungeklärt; Familie und Polizei gingen von Unfall aus. Sumans Eltern, bereits gezeichnet vom Leben, hatten keine Kraft mehr zum Kämpfen.

Nur Suman hätte die Wahrheit enthüllen können – doch ihre Worte blieben unausgesprochen.

– Von Sudha Vishwanathan