Ein Kinderfahrrad weckt dieselbe Begeisterung wie eines für Erwachsene. Als unser erstes Fahrrad eintraf, war ich überglücklich und stürzte mich in den Lernprozess. Jeden Sonntag übten Papa und ich: Pedale treten, Lenker balancieren, Blick nach vorn. Er hielt Lenker und Sattel fest, während er mich anwies: „Schau nach vorne!“ Ein Blick nach unten ließ mich jedes Mal zusammenzucken. Zu diesem Alter fiel es mir unendlich schwer, geradeaus zu schauen. Doch durch konsequentes Üben meisterte ich es. Der Lenker blieb jedoch eigensinnig – immer wieder rief Papa: „Halt ihn gerade!“, und ich korrigierte. Jeden Sonntag stand ich früh auf, verließ mit Papa und Fahrrad das Haus, fest entschlossen, heute Fahrrad zu fahren.
Sobald ich Pedale, Blick und Lenker im Griff hatte, kam die größte Herausforderung: das Balancehalten ohne Stütze. Die Angst vor dem Sturz lähmte mich. Papa wechselte vom Halten von Lenker und Sattel zum bloßen Festhalten am Sattelheck – für mich ein riskantes Manöver.
Ich bettelte ständig: „Halt fester!“ Besonders an jenem entscheidenden Tag spürte ich, wie sein Griff nachließ. Zurückschauen wagte ich nicht, aus Furcht, das Gleichgewicht zu verlieren. Nur seitlich linste ich, um sicherzugehen.
Als wir der Einfahrt nahe kamen und ich abbog, ließ er los. Plötzlich fuhr ich allein weiter, ein Roboter gleich, pedalierend und balancierend. Doch kurz vor Zuhause kippte ich um und landete in einem Steinhaufen. In eben jenem Moment – als er losließ und ich fiel – schwand meine Angst, und ich gewann unerschütterliches Vertrauen. Aufstehend sah ich Papa an, der kindlich lachte. Er wusste: Es war gelungen. Doch er insistierte, ich hätte es selbst gemeistert. Das ist wahre Lehre: Er führte mich behutsam, ließ mich aber selbst entdecken.
- Von Isha Jain