Geboren und aufgewachsen in Westindien, war ich Hindi und Marwari im Alltag gewohnt. Das Fernsehen brachte Sprachen wie Punjabi, Marathi oder Urdu ins Haus – ich schaute zu, um zu prüfen, ob ich etwas verstand. In meiner englischsprachigen Klosterschule beherrschte ich Englisch. Zudem hörte ich als Kind Oriya, da Verwandte in Odisha (damals Orissa) lebten.Erst bei einem Einführungstraining in Südindien wurde mir die immense Vielfalt Indiens bewusst: Umgeben von Menschen aus Tamil Nadu, Telangana, Punjab, Maharashtra, Karnataka, den Bergen und Haryana – Tamil, Telugu, Punjabi, Marathi, Kannada, Pahari, Haryanvi, Bengalisch, Urdu. Hindi zu finden, fühlte sich wie eine Heimkehr an. Hindi ist die Nationalsprache, Englisch die offizielle Verkehrssprache. Im Süden verstand man Englisch besser als Hindi.
Aus meiner hindi-dominierten Region kommend, war der Kontrast frappierend. Mein Mitbewohner sprach Kannada und sah Filme in seiner Muttersprache. Ich lächelte nur wie ein Kind bei einem unverständlichen Film. Wir kommunizierten auf Englisch, doch Akzente variierten je nach Bundesstaat – selbst Englisch klang fremd.
Trotz Vielfalt wurde es spaßig: Wir lernten Wörter in neuen Sprachen. Egal wie viel Englisch wir sprachen, Muttersprachwörter schlichen sich ein. Es war bereichernd, anderen fließend zuzuhören, Bedeutungen zu erklären oder Zitate zu teilen. Englisch blieb die Brückensprache – mit Akzenten.
Nach der Ausbildung flog ich heim. Doch zu Hause unter lauter Hindi-Sprechern fühlte es sich plötzlich fremd an. Nach Wochen multilingualer Immersion verstand ich 'Einheit in Vielfalt' nun tiefgehend.
– Von Isha Jain