Repräsentatives BildSeit Beginn der Lockdowns ist das Leben hektisch geworden. Besonders für Mütter mit kleinen Babys und arbeitssüchtigen Ehemännern wird es zur Zerreißprobe. Zu dieser Gruppe gehöre ich. Ich balanciere täglich Hausarbeit mit einem Baby, das an mir klebt, an meinen Haaren zieht, in meine Augen sticht und mich sogar anspuckt.
Bei all dem Chaos gibt mein Körper irgendwann nach. Ironischerweise bleiben meine Geschmacksknospen wachsam – verstärkt durch Bilder leckerer Gerichte auf Facebook, Instagram und WhatsApp.
An einem sonnigen Morgen beschloss ich, flauschige Pooris mit Chole zuzubereiten. Pooris schmecken am besten heiß und aufgeplustert; abgekühlt werden sie platt und verlieren ihren Reiz. Ich servierte sie frisch und heiß meinem Mann zum Frühstück. Wie so oft hing er am Laptop und kam verspätet. Die meisten Pooris waren kalt und flach. Er griff sofort nach den wenigen flauschigen und ließ die anderen liegen. Wütend rief ich: „Ich habe Stunden in der Küche geschuftet, geschwitzt – warum muss ich die Flachen essen und du die Guten?“
Verwirrt entschuldigte er sich: „Entschuldige, das war nicht absichtlich. Seit meiner Kindheit gab es bei uns immer nur flauschige Pooris.“ Zornig konterte ich: „Und wer hat dann die kalten, flachen gegessen?“
Er schwieg kurz und sagte: „Meine Mutter.“
Dann fragte er mich: „Und wer bei dir?“ Betroffen gestand ich: „Meine Mutter.“
Das versetzte mich in tiefe Erinnerungen. Es ging nicht nur um Pooris, sondern um alles. Meine Mutter war die Erste in der Küche und die Letzte, die sie verließ. Tag für Tag, Jahr für Jahr kochte sie nur für uns – Vater und Kinder. Zu ihrem Geburtstag machte sie unsere Lieblingsgerichte, zu Jubiläen die des Vaters. Nie kochte sie für sich selbst.
Heute als Oma weiß ich immer noch nicht ihr Lieblingsessen. Auf Nachfrage sagte sie stets: „Ich esse alles.“ Sie servierte uns das Heiße, Leckeres – und aß die Reste, das Abgekühlte oder Verbrannte.
Voller Reue und Tränen fragte ich mich: Warum dachte eine gebildete Frau wie sie nie an sich? Warum setzten wir uns nie für sie ein?
Wir halten Mütter und Frauen im Haushalt oft für selbstverständlich. Es ist Zeit für Veränderung, Reflexion und Dankbarkeit.
Mein Grübeln wurde vom Geschrei meines Sohnes unterbrochen. Er griff nach einem Poori. Mein Mann nahm ihn ihm weg, lächelte und sagte: „Deine Mutter liebt dich am meisten und will das Beste für dich. Aber sie wird dir auch mal die flachen Pooris geben – damit du die Poori-Lektion lernst: Respektiere und behandle die Frauen in deinem Leben gleichwertig, mein Sohn.“
— Von Shringi Shrivastava