Geschrieben von Riddhi Bhatti„Mama, warum feiern wir nicht Navratris?“, fragte meine Tochter erneut mit ihrem typischen Vorwurf.
Immer vor hinduistischen Festen stellt sie dieselbe Frage: „Warum machen wir das nicht?“ Ich ziehe sie eng an mich und gebe die Antwort, die sie oft die Stirn runzeln lässt: „Die Feierlichkeiten und der Geist kommen aus dem Herzen, mein Mädchen. Was wir außen tun, spielt keine Rolle.“
Für ein lebhaftes fünfjähriges Kind sind die Anpassungen in einer interreligiösen Ehe schwer zu verstehen. Was einem Hindu als heiliges Ritual gilt, kann einem Sikh wie Aberglaube wirken. Doch Gott und Gottesfurcht stehen darüber. Das vermittle ich ihr sanft, ohne die familiäre Harmonie zu stören.
„Mama, ich will fasten wie alle bei Nani!“, forderte sie und verschränkte die Ärmchen vor der Brust.
„Gut, morgen fasten wir beide.“ Ich küsste ihre gerunzelte Stirn. „Nur Früchte, kein Brot, keine warmen Mahlzeiten.“
„Aber Nani macht Chapati aus anderem Mehl.“
„Wir gehen noch weiter.“ Ich schmunzelte und strich ihre Locken zurück. „Bei diesem Wetter entgiften wir unseren Körper mit purem Obst.“
Im Hinduismus ist Fasten aus zwei Gründen essenziell: Es gibt dem Verdauungssystem Ruhe zur Entgiftung und Regeneration. Zudem übt es die Kontrolle der Sinne – beginnend bei der Zunge – und führt zur spirituellen Reife.
Am nächsten Tag hielten wir durch mit Obst, während die Familie dreimal täglich kochte.
Doch ihr neugieriges Herz ruhte nicht. „Mama, warum betest du nicht zur Göttin, lädst sie ein und servierst Prasad, wie bei Ashtami Pujan?“
„Heute machen wir das.“ Ich stimmte zu. „Wir laden sie nicht ein, sondern suchen ihren Segen im Tempel.“
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Ich bereitete Kada Prasad – den traditionellen Vollkornpudding aus Sikh-Gurdwaras – in 20 Portionen vor und nahm meine Tochter in ein nahes Armenviertel mit. Die Kinder tanzten vor Freude über das Dessert. Durga Maa hatte unser sikhisches Opfer angenommen!
„Feiern und Geist aus dem Herzen, mein Mädchen. Außenliches zählt für Gott nicht!“, wiederholte ich hoffnungsvoll.
Anmerkung der Autorin: Manche Fanatiker oder Feministinnen nähmen mich als Feigling: Ich pflegte keine hinduistischen Rituale strikt, gab der Familie nach. Doch mein Gott sieht es anders. Bei Gebeten für Weltfrieden flüstert eine innere Stimme: „Nächstenliebe beginnt zu Hause. Frieden – so sei es!“
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*Navratri: Neuntägiges Fest zur Verehrung der Göttin Durga, Symbol für Stärke, Ruhe, Weisheit und Strenge.
**Sikh: Anhänger des indischen Sikhismus.
^Prasad: Hingebungsvolles Speiseopfer für die Gottheit.
^^Ashtami Pujan: Achter Tag der Navratris; unverheiratete Mädchen werden als Manifestationen von Durga verehrt.