Ich bedauere, dass meine Frau Sex mit jemand anderem hat (Bild: Shutterstock)
Frage: Ich bin 50 Jahre alt und seit 18 Jahren verheiratet. Meine Frau ist in den 40ern und hat eine sehr hohe Libido. In den letzten zwei bis drei Jahren konnte ich sie sexuell nicht befriedigen. Wir haben sogar einen Arzt konsultiert, aber nichts half. Sie wurde frustriert, und ich fühlte mich schuldig.
Letztes Jahr erlaubte ich ihr, mit jemand anderem auszugehen, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Innerhalb von drei Monaten fand sie auf Facebook einen 33-jährigen Mann und traf sich mit ihm – sogar im Urlaub. Nun zweifle ich an meiner Entscheidung. Liebt sie mich noch? Sie scheint emotional mit ihm verbunden zu sein, was mich verunsichert. War das ein Fehler? Bitte beraten. – Anonym
Antwort von Zankhana Joshi, beratender Psychologin: Ihre Situation ist zweifellos herausfordernd: Einerseits haben Sie Ihrer Frau sexuelle Freiheit außerhalb der Ehe gewährt, was für Sie emotional belastend war. Andererseits erzeugt die Unsicherheit über die Entwicklung Ihrer Beziehung enormen Stress. Es ist lobenswert, dass Sie professionelle Hilfe suchen.
Beziehungen und Ehen wandeln sich heute stark. Früher war Untreue tabu; heute tolerieren manche Paare offene Modelle, in denen Partner separate Beziehungen führen, ohne die Ehe aufzulösen. Gesellschaftliche Normen verschieben sich, und moderne Familienformen entstehen.
Da medizinische Hilfe bei Ihren Libidoproblemen – bedingt durch Altersunterschiede – nicht fruchtete, schien die offene Ehe eine pragmatische Lösung: Ihre Frau wird sexuell erfüllt, die Ehe bleibt bestehen. Das wirkt großzügig und einfühlsam. Doch oft steckt dahinter Angst vor Verlust oder Gefühle der Unzulänglichkeit.
Was zunächst bequem schien, löst nun Zweifel aus. Ihre Frau wirkt glücklicher als erwartet, was Ihre Ängste vor der Zukunft schürt. Sind Sie bereit, traditionelle Vorstellungen von Liebe aufzugeben?
Ein Dritter verändert die Dynamik. Zunächst waren Sie der primäre Partner; nun wandelt sich die Bindung. Sex ohne Emotionen ist selten – körperliche Nähe schafft oft emotionale Verbindungen. Das Risiko, dass sie sich verliebt, ist hoch.
Zudem entstehen Schuld, Scham und Bedauern, die Distanz schaffen. Auch mit Erlaubnis fühlt sich Untreue oft falsch an. Sie könnte Ihnen vorwerfen, sie in diese Lage gebracht zu haben, und Ihr Fehlen von Eifersucht könnte die Intimität mindern.
Manche Paare meistern offene Beziehungen reif, doch das braucht klare Regeln. Wenn negative Gefühle andauern, sprechen Sie offen mit Ihrer Frau oder holen Sie Paartherapie in Anspruch. Ein Dritter birgt Risiken – es ist kein leichter Weg.
Zankhana Joshi ist eine erfahrene beratende Psychologin und Tanzbewegungstherapeutin in Mumbai.
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