DeuAq.com >> Leben >  >> Familie

Stille Buchstaben im Englischen: Die historischen Gründe für Rechtschreib-Anomalien

Stille Buchstaben im Englischen: Die historischen Gründe für Rechtschreib-Anomalien

Das englische Rechtschreibsystem ist berüchtigt für seine Unlogik. Das phonetische Ideal – ein Buchstabe pro Laut und umgekehrt – scheitert bereits daran, dass Englisch rund 45 Phoneme mit nur 26 Buchstaben darstellt. Jede lange geschriebene Sprache entwickelt zudem Abweichungen, da sich die Aussprache im Laufe der Zeit verändert. Englisch wird seit etwa 1300 Jahren schriftlich fixiert, was reichlich Zeit für solche Diskrepanzen bot. Besonders auffällig sind die stillen Buchstaben: Konservativ geschätzt sind mehr als die Hälfte der Alphabetbuchstaben (B, D, E, G, H, K, L, M, N, O, P, R, S, T, W, X, Z) in manchen Wörtern stumm. Als Linguistikexperte Neal Whitman (PhD) beleuchtet er die Ursprünge dieser Phänomene.

Das stumme E

Bevor wir zu stummen Konsonanten kommen, verdient das ikonische stumme E Erwähnung. Es tritt so häufig auf, dass es eine Regel gibt: Ein finales E verlängert den vorangegangenen Vokal (langer Vokal = Buchstabenname wie A in name; kurzer = reduziert wie A in car). Laut David Crystals Cambridge Encyclopedia of the English Language entstand dies im frühen Mittelhochenglischen (11. Jh.). Damals markierten Suffixe wie -e grammatikalische Funktionen, z. B. hus (Haus) vs. huse (zu einem Haus). Der finale [-ə]-Laut schwand, die Schreibung blieb jedoch und signalisierte nun Vokalänge in Wörtern wie name oder rose (S. 42).

Veränderte phonotaktische Regeln

Viele stumme Konsonanten waren einst hörbar, fielen aber geänderten phonotaktischen Regeln zum Opfer – Regeln, die erlauben, welche Laute in einer Sprache kombiniert werden dürfen. Heutiges Englisch verbietet z. B. langen U vor ng (*roong ist unmöglich). Früher erlaubte es Kluster wie KN (knife, knee, know; einst „ka-NEEF“), WR (wrong, wreath, write) oder GN (gnaw, gnat, gnarled). Diese verschwanden, die Buchstaben blieben.

Ähnlich das palatale H (Zunge ans Gaumen): Im Altenglischen (als H oder GH geschrieben) medial oder final möglich, heute nur wortinitial. Es persistiert stumm in thought, knight, through.

Griechische Lehnwörter

Griechische Importe bringen Kluster wie GN (gnome, gnostic), PN (pneumonia), PS (psalm, psychiatry) oder PT (pterodactyl, pter- = Flügel). Diese werden oft vereinfacht. Innerhalb von Silben „wachen“ sie auf: P in helicopter, lepidoptera; M in amnesia (vs. stummes M in mnemonic). Finales N in hymn klingt in hymnal. Lateinische Wurzeln wie in condemn/condemnation folgen ähnlich: Entfallene Suffixe machten Cluster illegal, N wurde stumm.

Französische Einflüsse

Französische Lehnwörter übernehmen stumme Konsonanten: rendezvous (stilles Z/S), coup d’état (P/T), Grand Prix (D/X). Französisch eliminierte Endkonsonanten durch Apokope. Achtung: Vor Vokal oder in -e (z. B. prix fixe = „pree feex“; coup de grâce = „koo de grahs“, nicht „gras“ = Fett).

Fehlgeschlagene Rechtschreibreformen

Manchmal entstanden stille Buchstaben durch Hinzufügungen: Renaissance-Reformer etymologisierten, z. B. B in debt (von lat. debitum), S in island (fälschlich zu lat. insula). Crystal in The Fight for English (2006): „Weil andere dachten, sie würden helfen“ (S. 29).

Weitere stille Buchstaben

Viele mehr existieren; jeder hat historischen Grund. Reformen wie Noah Websters scheitern langfristig – Aussprache wandert weiter. Geschrieben von Neal Whitman, Linguistik-Promovierter (literalminded.wordpress.com).

Bild: © Shutterstock.