Ein Leistenbruch (Inguinalhernie) tritt in der Leistengegend auf. Bei Babys ist er meist angeboren und häufiger bei Jungen zu beobachten. Er zeigt sich als weiche Ausbuchtung in der Leiste oder im Hodensack. Bei Mädchen ist er seltener, da sie ebenfalls Leistenkanäle besitzen.
Was ist ein Leistenbruch bei Kindern?
Ein Leistenbruch entsteht, wenn durch eine Schwachstelle in der Bauchwand oder den Muskeln Teile des Darms nach außen drücken und eine Ausbuchtung bilden. Bei Kindern handelt es sich fast immer um einen angeborenen Defekt, der nicht durch äußere Einflüsse nach der Geburt entsteht. Im Gegensatz dazu schwächt sich die Bauchwand bei Erwachsenen alters- oder krankheitsbedingt. Bei Kindern und Jugendlichen ist ein solcher Bruch selten erworben.
Der Bruch liegt in der Leistengegend und resultiert daraus, dass sich der Leistenkanal – durch den die Hoden vom Bauch in den Skrotum absteigen – nicht vollständig schließt. Schwache Bauchmuskeln lassen dann Darmteile in den Kanal gleiten. Da zwei Leistenkanäle existieren, kann der Bruch beidseits auftreten, am häufigsten jedoch rechtsseitig. Er fühlt sich als weiche Schwellung zwischen Bauch und Oberschenkel oder im Hodensack an.
Typen von Leistenbrüchen
Es gibt zwei Hauptarten von Leistenhernien:
1. Indirekter Leistenbruch
Dieser ist die häufigste Form bei der Geburt. Der Leistenkanal, durch den Hoden oder Eierstöcke absteigen, schließt sich normalerweise pränatal. Bleibt er offen, können Bauchorgane wie der Dünndarm heraustreten.
2. Direkter Leistenbruch
Hier schwächt Druck oder Belastung die Bauchwand, sodass Darmteile herausdrücken. Dieser Typ ist bei Erwachsenen üblich, bei Kindern selten und tritt vorwiegend bei Jungen auf.
Andere Formen
Manchmal schließt sich der Leistenkanal nicht, was zu einer Hydrozele führt – einer Flüssigkeitsansammlung im Hodensack. Dies kann bei Jungen zu einem Leistenbruch beitragen.
Ursachen eines Leistenbruchs bei Kindern
Bei Jungen bilden sich die Hoden im Bauchraum nahe den Nieren und steigen pränatal ab, wobei sie eine Peritonealverlängerung mitnehmen. Der Leistenkanal schließt sich normalerweise. Bei einem Bruch bleibt er offen, sodass Bauchinhalte später in den Hodensack wandern können. Bei Neugeborenen wird er erst sichtbar, wenn Inhalt eintritt. Mit dem Wachstum kann die Öffnung sich dehnen. Auch bei Mädchen können Eierstöcke oder Eileiter betroffen sein.
In seltenen Fällen bleibt eine Darmschlinge im Kanal stecken (Inkarzeration), verliert die Blutversorgung und verursacht Komplikationen.
Risikogruppen
Frühgeborene sind am stärksten gefährdet. Auch Kinder mit folgendem Risiko haben eine höhere Wahrscheinlichkeit:
- Familiärer Hernienbefall
- Zystischer Fibrose
- Nicht abgestiegenen Hoden
- Hüftdysplasie
- Harnröhrenanomalien
Symptome eines Leistenbruchs bei Kindern
Wichtige Anzeichen bei Säuglingen:
- Ausbuchtung im Hodensack oder Leistenbereich, oft mit Schwellung.
- Schwellung verstärkt sich beim Weinen, schrumpft in Ruhe.
- Bei Druck des Arztes rückläufig (reponierbar).
- Bei Einklemmung: Voller Bauch, Schmerzen, Unruhe, Erbrechen, Rötung, Fieber.
Mögliche Komplikationen
Dazu gehören:
- Einklemmung von Darmteilen in der Bauchwand.
- Ischämie des Darms mit bleibenden Schäden.
Diagnose
Erfolgt durch klinische Untersuchung und Anamnese. Der Arzt prüft die Reponierbarkeit.
Behandlung eines Leistenbruchs bei Kindern
Leistenbrüche heilen nicht spontan – eine Operation ist essenziell, um Komplikationen zu vermeiden. Bei Einklemmung ist sofortiger Eingriff lebensrettend, da der Darm gefährdet ist.
Chirurgische Optionen
Die OP erfolgt unter Vollnarkose; Eltern werden informiert. Verfahren je nach Fall:
1. Offene Reparatur
Kleiner Schnitt in der Leistenfalte, Verschluss per Naht, Haut mit Flüssigkleber.
2. Offene Reparatur mit laparoskopischer Gegenseitenprüfung
Ähnlich, plus Kamerainspektion der anderen Seite bei Verdacht auf beidseitigen Bruch.
3. Laparoskopische Reparatur
Über kleine Bauchnabel-Einschnitte, Fixierung per resorbierbaren Nähten, Kleber-Versiegelung.
Nachsorge zu Hause
Individuell nach Arztanweisung, allgemein:
- Kleber wasserdicht, aber sanft waschen; keine Salben 7 Tage.
- Erholung: 2 Wochen keine Belastung.
- Badepause 2–3 Tage möglich.
Wann zum Arzt?
Bei Blutung, Sekret, starker Schwellung/Rötung, Fieber >38,3°C, Erbrechen, reduzierten Windeln.
Prognose
Exzellent nach OP, Rezidivrisiko minimal. Bei Frühgeborenen etwas höher, aber korrigierbar. Kinder führen normales Leben.