Abwesenheitsanfälle bei Kindern sind oft unauffällig und werden leicht übersehen. Diese kurzen Episoden der Bewusstlosigkeit ähneln Starren oder "Auschecken", sind aber eine Form der Epilepsie. Eine frühzeitige Diagnose per EEG ist entscheidend. Erfahren Sie hier alles zu Ursachen, Symptomen, Risikofaktoren und Therapien.
Was sind Abwesenheitsanfälle?
Abwesenheitsanfälle, auch Petit-Mal-Anfälle genannt, sind eine generalisierte Epilepsieform, bei der abnorme elektrische Impulse im Gehirn zu vorübergehenden Bewusstseinsstörungen führen. Betroffene Kinder starren plötzlich ins Leere, hören auf zu sprechen oder zu handeln und sind für 5–15 Sekunden nicht ansprechbar. Im Gegensatz zu Großanfällen treten selten Krämpfe oder Bewusstlosigkeit auf; die Kinder erholen sich sofort ohne Verwirrtheit.
Etwa 10 % der epileptischen Anfälle bei Kindern sind Abwesenheitsanfälle. Sie beginnen meist zwischen 4 und 14 Jahren und betreffen 6–8 von 100.000 Kindern. Viele Patienten wachsen bis zur Pubertät heraus.
Ursachen von Abwesenheitsanfällen
Die Anfälle entstehen durch gestörte elektrische Aktivität im gesamten Gehirn. Oft liegt eine genetische Veranlagung vor. Häufige epileptische Syndrome sind:
1. Childhood Absence Epilepsy (CAE)
Beginn zwischen 4 und 8 Jahren mit mehreren Anfällen täglich. Auslöser: Schlafdefizit, Blinklichter, Hyperventilation.
2. Juvenile Absence Epilepsy (JAE)
Anfälle ab 10 Jahren, seltener und kürzer als bei CAE, oft mit tonisch-klonischen Anfällen.
3. Juvenile Myoklonische Epilepsie (JME)
Weniger Abwesenheitsanfälle, stattdessen myoklonische Zuckungen beim Aufwachen.
4. Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS)
Seltene, schwere Form mit atypischen Abwesenheitsanfällen bei bis zu 60 % der Betroffenen.
Symptome von Abwesenheitsanfällen bei Kindern

Symptome variieren je nach Typ und werden anfangs oft ignoriert. Wiederholte Episoden machen Muster erkennbar.
Symptome typischer Abwesenheitsanfälle:
- Abruptes Abbrechen von Aktivitäten, Starren ins Leere
- Plötzliches Schweigen mitten im Satz
- Augenrollen oder Lidflattern bei manchen Kindern
- Dauer: meist unter 10 Sekunden
Symptome atypischer Abwesenheitsanfälle:
- Langsamerer Beginn, länger anhaltend (>20 Sekunden)
- Starren mit Bewegungen wie Kauen, Schmatzen oder Lidflattern
- Muskeltonusverlust, Handreiben oder Zuckungen
Arten von Abwesenheitsanfällen
Zwei Hauptarten:
1. Typischer Abwesenheitsanfall
Plötzlicher Bewusstseinsverlust mit möglichen leichten Gesichtsbewegungen; keine Erinnerung danach.
2. Atypischer Abwesenheitsanfall
Langsamerer Verlauf mit Muskelerschlaffung und Zusacken.
Mögliche Komplikationen
Viele Kinder sprechen gut auf Therapie an, doch Risiken umfassen:
- Langfristige Medikation
- Soziale Isolation und Lernstörungen
- Verhaltensprobleme, Angst, Depressionen
- ADHS
Diagnose von Abwesenheitsanfällen
Schlüsselmethoden:
1. Beobachtung
Detaillierte Elternbeschreibung von Auslösern und Verlauf.
2. EEG
Erfasst typische Wellenmuster, oft mit Provokation durch Hyperventilation oder Lichter.
3. Bildgebung
MRT/CT zur Ausschlusdiagnostik.
Behandlungsmöglichkeiten
Primär medikamentös:
1. Medikamente
Niedrig dosiert starten, bei 2-jähriger Anfallsfreiheit auslaufen. Häufige Optionen:
- Ethosuximid (Zarontin): Erste Wahl, gut verträglich; Nebenwirkungen: Übelkeit, Schlafstörungen.
- Valproinsäure (Depakin): Breit wirksam, als Mono- oder Kombitherapie.
- Lamotrigin (Lamictal): Bei Sensibilität, milder, aber weniger potent.
2. Ketogene Diät
Fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung als Ergänzung.
3. Weitere Diäten
Modifizierte Atkins oder low-GI-Diäten unter Aufsicht.
Vorbeugung und Management
Regelmäßige Medikation, Schlafhygiene, Stressreduktion und Vermeidung von Auslösern minimieren Risiken.
1. Tägliche Routinen
Medikamente pünktlich, gesunde Ernährung, Sport.
2. Absence-Status epilepticus
Seltene, verlängerte Form (Minuten bis Tage); sofort medizinisch behandeln.
3. Langfristige Prognose
Oft Remission in der Pubertät; bei Komplikationen angepasste Therapie.
Tipps zur Unterstützung
Praktische Maßnahmen für betroffene Familien:
1. Medikationsdisziplin
Nie eigenmächtig absetzen.
2. Aufklärung Umfelds
Lehrer und Freunde informieren.
3. Psychosoziale Hilfe
Bei emotionalen Belastungen professionelle Unterstützung.
4. Sicherheitsmaßnahmen
Vorsicht bei Wasser, Sport; Notfallarmband.
5. Gesunde Gewohnheiten
Stressmanagement, ausreichend Schlaf.
6. Anti-Stigma
Offene Gespräche gegen Mobbing.
Wann zum Arzt?
Sofort bei Verdacht auf Starren-Episoden. Notfall bei neuen Symptomen, anhaltenden Anfällen oder Verwirrtheit. Führen Sie ein Beobachtungsheft.
Mit früher Therapie heilen viele Kinder vollständig aus.
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