Es war ein kühler Dezemberabend im Jahr 1992. Ich spielte im Haus meiner Freunde Manish und Piyush. Früher lebten wir in einer Kanalkolonie, die von den Briten erbaut wurde. Solche Regierungskolonien sind für mich das Markenzeichen einer pluralistischen Gesellschaft – und ich habe gute Gründe dafür.Während wir uns beim Spielen vergnügten, rief der bescheidene Gärtner, der früher im Haus der beiden arbeitete: „Bhaiiya, dange ho gaye!“ Sobald ich das hörte, rannte ich nach Hause. Manish und Piyush flankierten mich rechts und links, um sicherzustellen, dass ich wohlbehalten ankam. Meine Familie fand Zuflucht im Haus von Onkel Tiwari in einer hinduistischen Kolonie. Onkel Tiwari wachte die ganze Nacht über uns – er schlief keine Sekunde.
Am Morgen stellte sich heraus: Die Nachricht von Unruhen war nur ein Gerücht, verbreitet von Klatschmäulern.
In jenen Zeiten eskalierten Debatten schnell zu Auseinandersetzungen, und Gerüchte über kommunale Spannungen waren schwer zu ignorieren. Doch wir reagierten nie darauf, weil wir fernab solcher Ideologien aufwuchsen. Das gemeinsame Spielen mit Manish und Piyush lehrte mich, Propaganda von echter Ideologie zu unterscheiden – und Nationalismus von Patriotismus.
Später studierte ich an der Aligarh Muslim University (AMU), die oft als reine Muslim-Universität missverstanden wird. Wenige wissen: Sie ist ein Symbol der Einheit zwischen Hindus und Muslimen. Der erste Absolvent war gar ein Hindu – Dr. Ishwar Chandra Prasad.
In der lebhaften Kantine der AMU duftete es oft nach köstlichem Kadhi Chawal. Ein Mann aus der Stadt der Freude teilte es mit einem aus der Stadt Khwaja Saheb: Ein Chishti mit einem Chatterjee, ein Syed mit einem Brahmin.
Für mich waren es oft zwei Löffel, aber immer nur ein Teller.
Nach dem Abschluss arbeitete ich als Banker in Dubai. Dort fühlte ich mich mit Abhishek aus Mumbai wohler als mit Dilshad aus Karachi oder Samer Kawaam aus Ägypten. Onkel Tiwaris Worte hallen nach: „Ich bin zufällig Muslim.“
- Von Naved Ahmad