Es war Freitagabend, und wir alle waren viel zu aufgeregt, um schnell nach Hause zu kommen. Das Wochenende stand bevor – der Höhepunkt unserer Woche. Bei einem vollen Bürobus stiegen wir eilig an der SV Road in der Nähe des Malad-Bahnhofs aus und eilten durch eine enge Gasse, gesäumt von Großhandelsläden und heruntergekommenen Geschäften, zum Bahnhof.Bürotratsch, Gezanke, Wochenendpläne und Beziehungsgeschichten hingen in der Luft. Plötzlich rannte ein etwa 45-jähriger Mann von links herbei und berührte ein kleines Mädchen von rund 10 Jahren auf höchst unangemessene Weise. Das Kind schrie auf und fiel auf die Straße. Der Täter entkam.
Sie war sekundenlang wie erstarrt und brach dann in Tränen aus. Während einige von uns sofort zu ihr liefen, standen andere wie erstarrt daneben. Der Teestandbesitzer in der Nähe machte ungerührt weiter mit seiner Arbeit.
Das Mädchen klammerte sich verzweifelt an einen 20-Rupien-Schein. Ihr zerrissenes Kleid verriet, dass sie wohl aus einer Familie der unteren Mittelschicht stammte. Ich half ihr auf und setzte sie auf einen Holzklotz neben der Teebude, der als improvisierte Bank diente. Ich fragte nach dem Vorfall, ihrer Familie und wo sie wohne – keine Antwort. Erst der Teestandbesitzer meldete sich: Sie komme aus der Nähe, habe Tee und Snacks kaufen wollen und sei gebeten worden zu warten, als es passierte.
Ich umarmte sie tröstend. Leise legte sie ihre Hand auf den Unterbauch, als wollte sie mir andeuten, was geschehen war. Schließlich ging sie weinend davon.
Ich stand fassungslos da und wartete vergebens darauf, dass sie sich umdrehte. Meine Freunde drängten mich, weiterzugehen, um den Zug nicht zu verpassen. Wir eilten davon.
Doch die Nacht ließ mich nicht schlafen. Ich verabscheue diesen Mann, der in einem widerlichen Moment der Lust das Leben dieses Kindes für immer gezeichnet hat. Wird sie je wieder allein zur Teebude gehen? Wird sie sich bei solchen Aufgaben immer entschuldigen oder rebellieren? Auf stark befahrenen Straßen könnte sie nun vor jedem Mann Angst haben – eine bleibende Furcht vor Belästigung durch Fremde.
Selbst wenn sie den Mut zurückgewinnt, wird es Jahre dauern, bis sie Erwachsenen wieder vertraut. Die Folgen von Missbrauch sind oft unsichtbar, doch stets tiefgreifend.
Warum haben die Umstehenden nicht eingegriffen? Ist das normal? Und warum tolerieren wir das?
Hätte jemand den Täter festgehalten, hätte das Kind vielleicht später leichter damit abschließen können.
– Von Rakhi Surendra Kankane, Augenzeugin