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Wie eine beschlagene Tauchmaske mir die wahre Freundlichkeit offenbarte

Wie eine beschlagene Tauchmaske mir die wahre Freundlichkeit offenbarteWie eine beschlagene Tauchmaske mich dazu brachte, Freundlichkeit klarer zu sehen. Wir sind oft misstrauisch: Überall lauern Lügen, Betrug und Schurken, die nur auf ihr Pfund Fleisch warten. „Es gibt keine kostenlosen Mittagessen“ – dieser Spruch sitzt so tief, dass wir echte Geschenke des Lebens ablehnen. Stattdessen sucht unser zynischer Verstand nach versteckten Kosten und verpasst die pure Freude an unverdientem Guten. Doch nicht an diesem Tag! Auf meiner letzten Solo-Tauchreise erlebte ich pure Fürsorge und Herzlichkeit von Fremden. Als passionierte Freizeittaucherin mit knappem Urlaubsbudget plane ich Tauchabenteuer monatelang. Jede der 60 Minuten Unterwasserzeit ist kostbar. Die Reise zur Insel Netrani – per Flugzeug, Zug, Taxi und sogar per Anhalter mit einem Tempo-Truck – war ein Highlight. Bis meine Maske alles ruinieren wollte. Beim zweiten Tauchgang, 12 Meter tief, beschlug sie hartnäckig. Ich sah kaum etwas. Unser erfahrener Divemaster Moin bemerkte mein Gefummel und signalisierte „OK?“. Ich winkte halbherzig ab. Er bot an, die Masken zu tauschen. Hatte ich das richtig verstanden? Ich versuchte alles: Maskenreinigung, Flutung, Austausch – dreimal in Minuten. Nichts half. In den kristallklaren Gewässern vor Netrani ist Blindheit eine Katastrophe. Maskentausch zählt zu den schwierigsten Skills, den ich seit meinem ersten Kurs nicht mehr geübt hatte. Panik lauerte, doch ich wollte den Tauchgang nicht abbrechen. Moin signalisierte erneut „OK?“ und dann klar: Tausch. Warum sollte er seine eigene Maske opfern? Telepathie? Ich akzeptierte dankbar. Mit seiner Maske wurde die Unterwasserwelt scharf wie in HD. Moin führte uns 61 Minuten lang durch ein verzauberndes Riff – mit meiner defekten Maske, manchmal sogar ohne. Als PADI-zertifizierter Divemaster ist Moin trainiert für solche Krisen. Doch seine Empathie ging darüber hinaus: Er ging die Extrameile für meinen Komfort. Das stärkt mein Vertrauen in Profis – sie meistern jede Lage mit Expertise und Gelassenheit. Mehr noch: Es war eine Lektion in Güte. Unter Wasser wirken Dinge größer, Erfahrungen umso mehr. Für Moin Routine, für mich Rettung eines Traums. Seine selbstlose Geste berührte die ganze Gruppe. Freundlichkeit ist ansteckend. Beim Abendessen schwärmten wir von Top-Tauchbasen, Instruktoren und Profis. „Moin heute? Unbeschreiblich“, sagte einer. Solche Begegnungen halten uns vom Zynismus fern. Wie Barry Schwartz sagt: „Erkennen Sie Vorbilder an. Seien Sie stolz auf sie. Feiern Sie sie.“ – von Charu Idnani