Ich habe lange nicht gewusst, wie bereichernd es ist, „Freunde fürs Leben“ zu haben. In meinen 30 Lebensjahren hatte ich noch keine Freundschaften, die länger als sechs oder sieben Jahre hielten. Niemanden konnte ich je „beste Freundin für immer“ nennen – die Idee von „für immer“ war mir fremd. Weder Schulfreunde, Studienkollegen noch Kumpels aus der Nachbarschaft blieben langfristig: Ich traf sie nicht mehr regelmäßig, um alte Erinnerungen aufzufrischen.
Das heißt nicht, dass ich unfreundlich bin oder isoliert lebe. Ich hatte immer Freunde – doch sie kamen und gingen wie die Jahreszeiten. Alle paar Jahre baute ich mir einen neuen Kreis auf. Oft blendete ich mich selbst: Ich dachte, ich müßte eine bestimmte Art sein, mich anpassen oder leisten, um Menschen zu halten. Wenn das scheiterte, distanzierte ich mich von ihnen – ohne dass sie wussten, welche unrealistischen Erwartungen ich an mich selbst stellte.
Meine Mutter beobachtete das genau. Immer fragte sie nach den Freunden, über die ich schwärmte. Plötzlich schwieg ich über sie und redete von Neuen. Eines Tages stellte sie die entscheidende Frage: „Warum verlierst du immer wieder Freunde? Liegt es nur an ihnen – oder hast du nicht gelernt, sie zu halten?“ Diese Worte trafen mich tief und hallen bis heute nach. Sie machten Sinn: Ich gab irgendwann auf, mich zu bemühen.
Dann kam jemand, der mir beibrachte, Menschen nicht aufzugeben. Er war durch all meine Phasen da: SMS-Marathons, Studienwechsel, die Entdeckung meiner Leidenschaft für Kunst, Jobwechsel, Umzüge, neue Freunde – durch Höhen und Tiefen. Auch wenn ich ihn unbewusst manchmal vernachlässigte, gab er mich nie auf. Erst als ich klarer sah und das Leben ernster nahm, verstand ich wahre Treue. Mein Lebenspartner, mein Seelenverwandter, lehrte mich das.
Heute bin ich unendlich dankbar für ihn. Er steht nicht nur treu zu mir, sondern zeigt mir, wie man mit Höhen und Tiefen umgeht. Ich habe gelernt, Menschen in meinem Leben zu halten, ohne verrückte Erwartungen. Ich bin authentisch und lasse die Richtigen bleiben. Er wurde mein erster bester Freund – ein wahrer Segen.