Repräsentatives Bild. Es war im Sommer 1997, als unser Internat zum ersten Mal ein Zelttrekking nach Mussoorie ankündigte. Die Route versprach Trekking, Abenteuersport, Lagerfeuer und mehr. Als Sechstklässler mit wenig Mitspracherecht hatte ich riesige Angst. Ich war gerade erst ins Hostel gekommen und kämpfte bereits mit den täglichen Herausforderungen.Heimweh war wie ein harter Bogen, der ständig auf meinen Herzenssaiten spielte – und die Melodie klang bitter. Doch das war nicht einmal meine größte Sorge.
Ich war kein extrovertiertes Kind. Mit einem Schläger hantieren oder einen Ball dribbeln konnte ich, aber auf dem Spielplatz schwitzen? Fehlanzeige. Ich mied Gespräche und saß lieber still in der Klassenecke. Der unausgesprochene Nerd las Romane zu Schulspielen, statt Teams anzufeuern – tauchte ein in Charles Dickens' Welten. Ein Zelt im Wald? Marsch durch die Natur? Das klang nach Albtraum.
Der gefürchtete Tag kam. Rucksäcke gepackt, Bus bestiegen. Sechs Stunden kurvige Straßen, Ankunft bei Dämmerung. Ein üppiges Abendessen – doch ein Gedanke nagte: Wurden wir gemästet wie Hühner? Ich verdrängte ihn, zog mich früh zurück. David Copperfield war mein Begleiter. Seine Irrungen trösteten: Wenn er standhielt, konnte ich das auch.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr Briefing mit dem Lagerkoordinator: ein kleiner Mann in Mütze, die Glatze kaschierend. Vier Tage gehörten ihm. Die ersten drei überlebte ich: Steile Hänge, raues Gelände. Ich rutschte aus, fiel, weinte, machte mich lächerlich. Aber aufgegeben? Nein. Nicht aus Mut, sondern Angst, der Außenseiter zu sein. Ich wollte untergehen in der Masse.
Doch am letzten Tag änderte sich alles. Am Fluss: Eine Holzleiter, drei Meter über dem Wasser, zwischen Bäumen gespannt. Geschirr anlegen, drüberlaufen. Der Mützenmann demonstrierte. Ich? Nein danke. Genug Abenteuer. Als mein Name gerufen wurde und ich mich nicht rührte, drehte sich alles zu mir. Kichern, Buhen, Gelächter. Panik. Ich rannte ins Zelt.
Später abends kam er. Setzte sich, fragte nach meinem Buch. Ich reichte Copperfield. "Nur Dickens?" Ich zuckte die Schultern. Er wollte reden, doch ich war am Ende.
Er lächelte, klopfte mir auf den Rücken: "Lass dich nicht beschämen, etwas zu tun, was du nicht tun willst." Die Worte sanken ein. Hatte ich nicht immer gehandelt aus Angst vor dem Urteil anderer? Wollte ich nicht unsichtbar bleiben?
Zurück in der Schule las ich mehr, schrieb selbst. Schwach erst, doch ich übte. Nahm an Deklamationswettbewerben teil – gab 100% bei dem, was ich liebte.
20 Jahre später halte ich mich daran. Studienwahl, Karriere: Immer nach innerer Zufriedenheit, nicht sozialem Druck. Warum anderen mein Leben überlassen? Warum opfern für vermeintliche Normen?
Dem Herzen folgen ist leicht zu sagen, schwer zu tun. Ich habe Erfolge und Rückschläge erlebt. Aber eines fehlt: Reue.
– Von Akil Bakhshi