Linkshänder sein – Warum es nichts Falsches daran ist? (Gegenbild)Meine Mutter schützte mich immer vor Schmerzen. Wenn mein Vater mich wegen Süßigkeiten anschrie, nahm sie die Schuld auf sich.
'Lasst sie in Ruhe. Es ist nicht ihre Schuld. Ich habe ihr die Süßigkeiten gegeben, weil sie ihre Hausaufgaben pünktlich gemacht hat', sagte sie und zog mich aus seinem Griff.
Als meine Lehrerin eine Notiz über meinen schmutzigen Rock schickte, entschuldigte sie sich höflich: 'Ich habe den Fleck versucht zu entfernen, er ist hartnäckig. Ich kaufe ihr nächsten Monat einen Neuen.' So deckte sie meine Dummheit, den Rock mit Eiscreme zu verschmutzen.
Aber bei meinen schmerzenden linken Fingerknöcheln zuckte sie nie zusammen. Selbst wenn sie lila anschwollen, strich sie keine Salbe auf oder gab mir Kurkuma-Milch. Ihre kalten Augen sagten: 'Du verdienst es.'
Sie ermutigte sogar meine Lehrerin, hart auf meine Knöchel zu schlagen. 'Diese Angewohnheit muss weg', murmelte sie wie eine strenge Matriarchin.
Sie kaufte sogar ein spezielles Holzlineal – als Ersatz für den zerbrochenen Stock meines Vaters – zum Schlagen auf meine linke Hand.
Niemand bemerkte, wie quälend das war. Die Schmerzen wurden erträglich, doch mein Instinkt, links zu greifen, blieb.
Nur Onkel Doktor fiel die Veränderung auf. Er sah mich stammeln und fragte besorgt: 'Seit wann stottert sie?'
'Sie ist ungezogen und hat neue schlechte Gewohnheiten', lachte mein Vater.
'Welche?', hakte der Arzt nach.
'Früher schrieb sie links. Wir haben das korrigiert, jetzt stottert sie!'
Der freundliche Arzt erklärte vergeblich: Linkshändigkeit ist normal. Das Stottern kommt vom Versuch, den natürlichen Instinkt zu unterdrücken.
Meine Eltern hörten nicht zu.
Die roten Knöchel heilten, der Instinkt nicht. Noch heute greife ich links zu – beim Nehmen von Gegenständen, beim Busfahren, beim Essen.
Nach 20 Jahren erinnert jeder linke Griff an den Schmerz und Mutters kalte Blicke.
Ich wünschte, sie hätten gewusst: Linkshänder sein ist völlig normal.
- Von R. Kashyap