Repräsentatives BildWir hören oft, dass das Leben uns große Herausforderungen stellt und wir die kleinen ignorieren sollten, wenn wir uns niedergeschlagen fühlen. Aber macht das unser aktuelles Leid geringer?
„Hallo, ich habe Ihren Lebenslauf von Herrn Dev erhalten. Können Sie zu einem Vorstellungsgespräch in unser Büro kommen?“ Dieser Anruf brachte mir eine tolle Kollegin – einen "süßen kleinen Freund", wie ich sie nannte. Sie war reif über ihre Jahre hinaus und hieß in meinen Augen „Oh Freak“ wegen ihrer spontanen, lebhaften Reaktionen. Sie erinnerte mich daran, was ich schon wusste: Leiden ist Leiden, ob groß oder klein.
Bei unserer ersten Begegnung strahlte sie eine positive Energie aus, die sofort Vertrauen schuf. Ich absolvierte einen schriftlichen Test und wartete zu Hause, da der Interviewer fehlte. Nach mehreren Telefonaten und Verschiebungen kam das Gespräch zustande, und ich trat dem Team bei. Sie erklärte mir Kunden und das Schreibformat.
Wir vertieften uns in unsere Arbeit, vergaßen manchmal einander und hatten viel Spaß dabei. Wir unterstützten uns gegenseitig bei Stolpersteinen. Berufliche Hingabe ist toll, doch mehrmaliges Scheitern fordert seinen Tribut – irgendwann steht man vor der Entscheidung.
Ihre natürliche Hilfsbereitschaft und bescheidene Art machten sie sympathisch. Doch bald bemerkte ich, wie sie sich während der Arbeit ablenken ließ und die Konzentration verlor. Das Leben wirft uns schwierige Situationen zu, die unsere volle Aufmerksamkeit fordern. Egal, wie sehr wir weitermachen wollen – sie kehren zurück. Genau das erlebte sie.
Ich sah sie kämpfen, weinen und gleichzeitig wachsen. Mal wollte sie alles hinschmeißen, mal rappelte sie sich auf. Unbekannte Menschen sind oft hart, sobald die Arbeit getan ist. Selten trifft man auf solche mit echter Demut und Menschlichkeit.
Eines Tages scherzte ich, ich würde ein Buch schreiben. Sie bot sofort an, über meine Geschichte zu berichten. Ich fragte: „Gibt es vieles in deinem Leben, worüber ich schreiben könnte?“ Höflich erwiderte sie: „Ich weiß, ich habe nicht viel gesehen und es gibt größere Probleme. Aber für mich als Einzelperson sind meine Herausforderungen überwältigend. Andere sagen oft 'Das ist nichts', doch für mich zählt es.“ Ihre Worte bestätigten, was ich wusste: Jedes Leid ist individuell bedeutsam.
Nach reiflicher Überlegung kündigte sie – nicht aus Unfähigkeit, sondern weil sie Besseres verdiente. Wenn man seinen Weg erkennt, braucht es Mut, ihn zu gehen, auch wenn die Zukunft unklar scheint.
Manchmal reicht ein kleiner Hoffnungsschimmer!
– Von Isha Jain