DeuAq.com >> Leben >  >> Familie

Wie Empathie und verständnisvolle Worte die Heilung in der Onkologie fördern – Eine Onkologin teilt ihre Erfahrung

Wie Empathie und verständnisvolle Worte die Heilung in der Onkologie fördern – Eine Onkologin teilt ihre ErfahrungRepräsentatives Bild Als medizinischer Onkologe – oder, wie man mich manchmal scherzhaft nennt, "Chemoarzt" – ist Onkologie ein Feld voller Herausforderungen. Intensive Emotionen können erschöpfen, doch es gibt auch lohnende, sogar lebensverändernde Momente. In den letzten fünf Jahren haben mich die Patienten, die ich betreut habe, nachhaltig geprägt. Sie haben mir beigebracht, was kein Lehrbuch vermittelt. Als Zeuge und Begleiter ihrer Reise entwickle ich mich ständig weiter. Eine Geschichte aus meinen frühen Jahren als junger Onkologe hat mich besonders berührt. Ein junger Mann Anfang 30, aus einfachen Verhältnissen, wurde mit einem seltenen Hirntumor in unser Krankenhaus zur Operation überwiesen. Unser Zentrum ist mit modernster Technologie ausgestattet, wie man es in einer tertiären Klinik erwartet. Die Familie hatte alles zusammengescharrt, um die OP zu finanzieren. Nach der Operation kam der Patient mit seinen drei Brüdern zu mir, um über eine postoperative systemische Therapie zur Rezidivprophylaxe zu sprechen. Sie sprachen kein Englisch, und ihr Hindi war bruchstückhaft. Viele Fachbegriffe sind englisch und schwer zu übersetzen – eine echte Herausforderung bei der Patientenaufklärung. Ich bat sie, Platz zu nehmen, hörte zu und erklärte detailliert: Behandlungsplan, Kosten, Nebenwirkungen und Risiken der Erkrankung. Die Familie war wenig gebildet. Der jüngere Bruder redete für alle und stellte unzählige Fragen. Er war misstrauisch, zweifelte an unseren Absichten und wollte die beste Option wissen, blieb aber skeptisch gegenüber den hohen Kosten. Ich musste Begriffe wiederholen – die Kernfrage: "Ist weitere Behandlung wirklich nötig?" Das frustrierte mich. Plötzlich sah ich die Barrieren klar: Sprach-, Bildungs-, Wahrnehmungs- und Vertrauenshürden. Bei seltenen Tumoren fehlen oft evidenzbasierte Daten; Unsicherheiten sind üblich. Dann sprach der Patient selbst – bisher schweigsam. Nach der OP hatte er eine undeutliche Sprache und brauchte Zeit für Sätze. Er sorgte sich um die Kosten, gab sich die Schuld und glaubte, sein Karma (grobes Verhalten gegenüber anderen) habe den Tumor verursacht. Seine behinderte Sprache sah er als göttliche Strafe. Der jüngere Bruder drehte sich zum Fenster weg und weinte leise. Plötzlich verstand ich: Er hatte seinen Bruder die ganze Zeit beschützt. Dieser Moment veränderte mich – von einem gereizten Arzt zu einem empathischen Begleiter. Nicht die Tränen, sondern die dahinterstehende Fürsorge rührten mich. In solchen Fällen ist die Rolle der Pflegepersonen entscheidend, oft unterschätzt. Sie jonglieren mit Patientenbedürfnissen, eigenen Ängsten und der Frage: "Tue ich genug?" Unser System adressiert emotionale Belastungen zu wenig, doch es ändert sich: Viele Kliniken bieten nun Beratung, NGOs unterstützen finanziell und sozial. Als Senior Consultant höre ich heute nicht nur zu, um zu therapieren, sondern um Herausforderungen von Patienten und Angehörigen zu verstehen. Wir haben nicht immer alle Antworten, aber ein empathisches Ohr schafft Vertrauen und Trost – genau das, was wir alle wollen. – Von Dr. Priya Tiwari
Senior Consultant, Abteilung für medizinische Onkologie, Artemis-Krankenhaus