Frage: Hallo, ich bin seit vier Monaten mit einem Mann befreundet, und wir mögen uns beide sehr. Wir haben uns das gestanden und sogar einmal Sex gehabt. Nun bin ich in ihn verliebt und bereit für eine ernsthafte Beziehung. Er ist offen für Dates, betont aber klar, dass von seiner Seite keine Verpflichtungen für die Zukunft bestehen. Ich spüre, dass seine Gefühle nicht so tief sind wie meine. Ist es klug, mit einem solchen Mann auszugehen? Ich fürchte, ich könnte tief verletzt werden, wenn er nach einem Jahr Schluss macht und betont, nie etwas versprochen zu haben. Ich fühle mich so stark zu ihm hingezogen, dass reine Freundschaft unmöglich ist – und als seine Freundin scheint es riskant. Was raten Sie? – Anonym
Antwort von Zankhana Joshi, beratender Psychologin: Es ist herausfordernd, in einer lockeren Beziehung zu stecken, wenn der Partner eine tiefere Bindung ablehnt. Dass Sie Ihre eigenen Gefühle klar erkennen, macht es umso schwerer, seine Haltung zu akzeptieren – ein gesunder Schritt ist es daher, professionellen Rat einzuholen.
In den letzten vier Monaten hat aus einer lockeren Verbindung bei Ihnen echte Tiefe entstehen lassen. Solche emotionalen Entwicklungen sind üblich, wenn man Zeit miteinander verbringt und Gefühle teilt. Daraus resultiert oft die Angst vor Verletzung, falls sie nicht erwidert werden. Wichtig: Beide Partner wachsen nicht immer im gleichen Tempo. Jeder braucht Zeit, um seine Emotionen zu sortieren und Klarheit zu gewinnen. Geduld könnte hier der Schlüssel sein, damit seine Gefühle sich natürlich entfalten.
Andererseits könnte Zurückhaltung im Spiel sein. Die moderne Dating-Welt hat sich verändert: Liebe, Sex und Ehe werden oft getrennt betrachtet. Viele Paare zögern Bindungen hinaus – sei es durch Friends with Benefits, Sex ohne Verpflichtung oder Zusammenleben ohne Ehe. Diese Optionen bieten Freiheit ohne Kosten, machen echte Bindung aber zur "unnötigen Last". Manchmal geht es um die Freiheit, andere zu erkunden, oder um weniger Verantwortung im selben Verhältnis. Bleiben Alternativen offen, sinkt die Investition in eine Beziehung.
Falls Sie glauben, es braucht nur Zeit, seien Sie geduldig und lassen Sie seine Gefühle wachsen. Spüren Sie jedoch Bindungsängste, klären Sie: Seid ihr beide für eine offene Beziehung oder Friends with Benefits bereit? Ohne moralische Wertung: Teilt ihr dieselben Vorstellungen? Andernfalls droht Dysfunktion. Wenn einer Bindung sucht und der andere Offenheit, entsteht Disharmonie, Frustration und Unzufriedenheit.
Jedes Paar muss gemeinsam definieren, was passt. Offene Beziehungen geben Freiheit und weniger Aufwand, bieten aber wenig emotionale Sicherheit – und damit weniger Zufriedenheit. Gleich investierte Partner, die Alternativen meiden, schaffen die Basis für eine tiefe, erfüllende Verbindung.
Zankhana Joshi ist praktizierende beratende Psychologin in Mumbai.
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