Als Experte für japanische Sprache und Kultur wissen Sie: Das Suffix -san dient als höfliche Anrede. Kein Wunder, dass das gängige Wort für Großvater ojiisan lautet. Der formellere, familiäre Begriff für den eigenen Großvater ist sofu.
Viele japanische Kinder nennen ihren Großvater liebevoll jiji (Kurzform von ojiisan) und die Großmutter baba (von obaasan, dem Wort für Großmutter).
Achtung: Das ähnliche ojisan bedeutet Onkel.
Im Unterschied zu anderen asiatischen Kulturen unterscheiden Japaner nicht zwischen Großeltern mütterlicher und väterlicher Seite.
Großväter in der traditionellen japanischen Kultur
In der traditionellen japanischen Gesellschaft sind Geschlechterrollen klar definiert. Väter sorgen als Hauptverdiener für den Familienunterhalt und arbeiten oft lange Stunden. Mütter übernehmen Kindererziehung, Pflege älterer Verwandter – eine zentrale Rolle in asiatischen Kulturen – sowie die Bildungsförderung der Kinder, inklusive Schulwahl und Leistungsdruck.
Lange Zeit lag das Rentenalter bei 55 Jahren. Viele Großväter, die ihre eigenen Kinder kaum erziehen konnten, nutzten diese Phase, um Zeit mit Enkeln zu verbringen, emotionale Bindungen aufzubauen und beim Babysitten zu helfen.
Die Modernisierung verändert dies: Mehr Frauen arbeiten, das Rentenalter steigt – Großväter müssen länger warten, bis sie sich der Großelternrolle widmen können.
Die Bedeutung der erweiterten Familie
Das japanische Konzept ie beschreibt die erweiterte, fortbestehende Familie über Generationen hinweg. Sie ist hierarchisch strukturiert und fördert gemeinsames Wohnen oder enge Nähe. Ein Sprichwort rät: Erwachsene Kinder sollten nicht weiter von den Eltern wohnen, als dass sie eine Schüssel heiße Suppe tragen könnten – ein Bild für maximale Nähe, da Suppe schnell abkühlt!
Traditionell vererbt sich die Familienstruktur patrilinear. Durch Primogenitur ging Vermögen und Verantwortung vom Vater an den ältesten Sohn über. Frauen traten bei der Heirat in die ie des Ehemanns ein. Jüngere Söhne suchten ihr Glück außerhalb des Familiensitzes.
Heute halten einige an Traditionen fest, andere wählen modernere Modelle.
Japans Einfluss in den USA
Japans Einwanderer in den USA passen sich erfolgreich an, behalten aber traditionelle Werte. Historisch gruppenorientiert, halfen frühe Gemeinschaften sich gegenseitig – verstärkt durch Diskriminierung, die im Zweiten Weltkrieg mit Internierungslagern kulminierte.
Viele Japaner-Amerikaner engagieren sich heute in "freiwilligen Vereinen", die Kultur pflegen und Diskriminierung bekämpfen. Nachkriegsbemühungen führten 1988 zum Civil Liberties Act unter Präsident Reagan: Offizielle Entschuldigung und Entschädigung für Überlebende.
Japanische Sprichwörter von Großvätern
Großeltern teilen Weisheit weltweit – japanische Großväter besonders einprägsam.
Yoji-Jukugo sind Vier-Kanji-Redewendungen, deren Sinn nicht immer offensichtlich ist:
- "Zehn Personen, zehn Farben." Jeder Mensch ist einzigartig.
- "Nicht sehen ist eine Blume." Fantasiegeborene Schönheit ist am reizvollsten.
- "Schwaches Fleisch; starkes Essen." Die Starken fressen die Schwachen.
Andere Sprichwörter ähneln universellen Weisheiten: "Das Kind eines Frosches ist ein Frosch." (Ähnlich: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.") Oder "Siebenmal hinfallen, achtmal aufstehen." ("Versuch's nochmal!")
Einzigartig japanisch: "Eine Ente, die einen Lauch trägt" – Glückssymbol, da Entensuppe Lauch braucht. Spaß-Fact für Enkel: Das Pokémon Farfetch'd ist genau das!