Rheumatisches Fieber ist eine ernste Erkrankung, die vor allem Kinder zwischen 5 und 15 Jahren betrifft. Sie tritt typischerweise nach einer unbehandelten Streptokokken-Halsentzündung auf und kann das Herz schädigen. Als Pädiater mit langjähriger Erfahrung erklären wir Ursachen, Symptome und Therapieoptionen.
Was ist rheumatisches Fieber?
Rheumatisches Fieber ist eine entzündliche Autoimmunreaktion, die meist durch unzureichend therapierte Streptokokken-Infektionen der Gruppe A (GAS) ausgelöst wird, wie Halsentzündungen oder Hautinfekte. Es manifestiert sich 10 bis 21 Tage nach der Infektion und betrifft Gelenke, Haut, Herz und Gehirn.
Ursachen von rheumatischem Fieber bei Kindern
Die Hauptursache sind Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A, z. B. Scharlach, Impetigo, Zellulitis oder Pharyngitis. Die Bakterien selbst verursachen nicht direkt das Fieber, sondern lösen eine Autoimmunreaktion aus – eine molekulare Mimikry zwischen bakteriellen Proteinen (z. B. M-Protein) und menschlichen Geweben in Herz, Gelenken, Haut und Gehirn. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, wie Studien belegen.
Wer ist gefährdet?
Betroffen sind vorwiegend Kinder von 5 bis 15 Jahren. Der größte Risikofaktor ist eine unbehandelte Streptokokken-Halsentzündung. Auch Hautinfektionen wie Pyodermie erhöhen das Risiko.

Symptome des rheumatischen Fiebers bei Kindern
Die Symptome variieren und entwickeln sich schrittweise. Nicht alle treten auf. Wichtige Anzeichen sind:
- Fieber über 38,5 °C – Anhaltendes Fieber > 38,3 °C (101 °F). Bei Dauer > 1 Tag sofort Arzt konsultieren.
- Halsschmerzen ± geschwollene Lymphknoten – Oft mit Fieber und weiteren Symptomen.
- Kopfschmerzen – In Kombination mit Fieber.
- Übelkeit und Erbrechen – Oral rehydrieren und Arzt aufsuchen.
- Nasenbluten – Selten.
- Migratorische Gelenkschmerzen – Wandern von Knien, Ellenbogen, Handgelenken zu Knöcheln.
- Subkutane Knötchen – Schmerzfreie Beulen unter der Haut.
- Brustschmerzen – Hinweis auf Herzbetroffenheit (selten).
- Herzgeräusche – Durch Klappenbeteiligung, evtl. Arrhythmien.
- Müdigkeit – Folge der Schmerzen.
- Sydenham-Chorea – Unkontrollierbare, ruckartige Bewegungen.
- Unangemessenes Verhalten – Lachen/Weinen ohne Anlass.
- Erythema marginatum – Nicht juckende, ringförmige Hautläsionen.
Diagnose des rheumatischen Fiebers bei Kindern
Der Kinderarzt erfasst die Anamnese (z. B. kürzliche Pharyngitis), führt eine körperliche Untersuchung durch und prüft:
- Ausschläge und subkutane Knötchen.
- Herzgeräusche.
- Nervensystem (Bewegungen).
- Gelenkentzündungen.
- Bluttests auf Streptokokken (ASLO-Titer, Antistreptolysin).
- EKG und Echokardiographie.

Die Diagnose basiert auf den Jones-Kriterien: 2 Hauptkriterien ODER 1 Haupt- + 2 Nebenkriterien PLUS Nachweis einer GAS-Infektion.
| Hauptkriterien | Nebenkriterien |
| Arthritis | Fieber |
| Herzentzündung | Gelenkschmerzen |
| Subkutane Knötchen | Vorgeschichte rheumatisches Fieber |
| Chorea Sydenham | EKG-Veränderungen |
| Serpiginöse Läsionen | Erhöhte BSG/CRP |
Nachweis GAS-Infektion:
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Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5911656/
Risiken und Komplikationen
Ohne Therapie drohen Langzeitfolgen wie:
- Rheumatische Herzkrankheit.
- Klappenstenose.
- Klappeninsuffizienz.
- Myokarditis.
- Arrhythmien.
- Herzinsuffizienz.
- Sydenham-Chorea.
Behandlung von rheumatischem Fieber bei Kindern
Therapie zielt auf GAS-Eradikation und Symptomlinderung ab.
1. Antibiotika
10-tägiger Kurs (z. B. Penicillin), gefolgt von Langzeitprophylaxe (bis 5–10 Jahre).
2. Entzündungshemmende Mittel
NSAIDs oder Kortikosteroide bei starker Entzündung.
3. Antikonvulsiva
Bei Chorea (z. B. Valproinsäure).
4. Bettruhe
Bei Herzbetroffenheit anfangs.
5. Aspirin
Bei Thromboserisiko.
Ist rheumatisches Fieber heilbar?
Rezidive sind in den ersten 3 Jahren wahrscheinlich, nehmen mit dem Alter ab. Prophylaxe bis 21 Jahre oder 5–10 Jahre je nach Schweregrad.
Prävention
Frühe und vollständige Therapie jeder Streptokokken-Pharyngitis. Hygiene-Maßnahmen:
- Husten/Niesen abdecken.
- Regelmäßiges Händewaschen.
- Kranke Kinder isolieren.
- Utensilien desinfizieren.

Frühe Intervention schützt vor bleibenden Herzschäden. Konsultieren Sie bei Verdacht immer einen Facharzt.