Über Töchter und Söhne lässt sich nie genug sprechen. In vielen Gesellschaften wird ein Geschlecht dem anderen vorgezogen. Ein Sohn steigert den Status der Mutter – schon als hilfloser Wärmelumpen in Windeln trägt er die Verantwortung, den Familiennamen fortzuführen. Sein Zimmer ist in Blau getaucht, von der ersten Rassel bis zu den Wandteppichen. Blau symbolisiert seine angebliche Neigung zu Ungestümtheit, er spielt mit Autos und Waffen – Spielzeug, das später ernste Konsequenzen haben kann. Mädchen dagegen baden in Rosa, kuscheln mit Puppen wie Barbie, die zum Maßstab für Schönheit wird. Unterbewusst lernen sie: Ein Mädchen muss vor allem hübsch sein.
Warum verengen wir die Welt unserer Kinder selbst? Es ist harmlos, wenn Jungen Cricket spielen oder Mädchen Puppen lieben. Gefährlich wird es, wenn wir ihnen Chancen vorenthalten. Märchen zeigen Prinzessinnen, die auf den Ritter warten. Zeit, neu zu schreiben: Prinzessinnen, die selbst reiten, siegen und Prinzen retten!
Männer und Frauen ergänzen sich wie Yin und Yang – genetisch verschieden, doch gleichwertig. Kürtzlich erlebte ich im Krankenhaus eine Mutter, die ihrer weinenden Tochter riet, „der Sohn ihres Vaters zu werden“. Diese Worte brechen das Herz: Warum muss eine Tochter zum Sohn werden?
Töchter sind emotional intelligent, verbinden die Familie. Müssen sie zu „Söhnen“ werden, um wertvoll zu sein? Und ist ein weinender Sohn „schwach wie ein Mädchen“?
Unsere Gesellschaft spiegelt unsere Werte. Lassen wir Mädchen den Regenbogen entdecken – nicht nur Rosa. Meine dreijährige Tochter schleppt stolz einen Dinosaurier mit sich, der nicht rosa ist. Wenn Kinder frei wählen dürfen, erobern sie die Welt!
Von Seerat Kaur Gill, Mutter und Erziehungsexpertin